Mit den Ockerfarben und dem warmen Licht des jungen Herbstes fällt mein Blick auf die herbstlich werdende Erde und zu den Wolken hinauf. Die intensiven Züge der Vögel beginnen bald. Den Zugvögeln zuwinken, das mache ich seit meiner Kindheit. Weil sie das Unterwegssein verkörpern, die Freiheit, das Gleiten durch die Lüfte. Das fand ich immer sehr aufregend, farbig und lebenswert. Als flögen sie in eine Zukunft hinein, die verheissungsvoll ist. So habe ich es mir ausgemalt.

Und heute? Spüre ich, wie kostbar es ist, für die Freiheit zu fliegen. Für den Lebensmut zu gehen, in Gemeinschaft zu fliegen, damit sich alle immer wieder zurückfallen lassen können und immer wieder andere übernehmen, weil alle die Routen kennen.
Aufbruch, Lust am Entdecken, am Erkunden von Welt und Wirklichkeit. Es wäre wichtig, weil es lebendig ist und das gesamte Feld so wenig freie Wege und freies Fliegen kennt. Und aus der Vogelperspektive würden wir auch viel schneller erkennen, wenn die Wegweisungen unten auf keine guten Wege führen oder die Gesamtlage völlig falsch bewertet wird. Wir könnten es sehen von oben, im Flug.
Wenn ich den Vögeln jetzt im jungen Herbst zusehe bei ihren schönen Gleitflügen, beim Trainieren und dann, wenn sie losfliegen, dann werde ich ihnen wieder zuwinken und etwas von ihrer Medizin in mein Herz legen. Damit es mutig aufbricht, wenn es Zeit ist aufzubrechen und bereit ist, die Geschehnisse aus einer großen Freiheit heraus zu betrachten.
