Der Tanz dieser Zeit

Das vielschichtige Unterwegssein in dieser Zeit. All die Tänze, die Bewegtheiten, die Gedanken dazu. Angerührt sein, Kräfte sammeln, stark sein, fallen, aufstehen … Tänze von Zartheit, von Widerstand, von Loslassen und neu Sortieren. Und es geht weiter. Die Hoffnung war da, dass ein lebensdienlicher Wandel näher ist. Weit gefehlt, nahtlos gehen die umwälzenden Tänze im Weltgeschehen weiter. Die Tänzerin tanzt so viel Paradoxes, sie übt sich drin. Die tanzende Forscherin sagt: “Entweder hat alles einen Sinn oder nichts.“ Also loslassen, laufenlassen, aus allen Ebenen Kraft holen und das ungewisse Ende des Wahnsinns anerkennen, irgendwie so. Ich halte mich mit der … Der Tanz dieser Zeit weiterlesen

Wer leben will …

„… muss sterben können“, sagt sie. Santa Muerte, die Tödin, die Sensenfrau, die Schnitterin … Zu Schnitterin, wenn die Sichel das Korn einholt, um Nahrung zu haben und die Tage schon merklich kürzer werden, spüre ich die Tödin ganz nah.Wie in Mexiko, wo die Santa Muerte verehrt wird, lade ich sie ein, will sie sichtbar machen mit Farben, über die Bemalung. Und so bemalt wollte ich einmal durchs Dorf radeln und am Spaghettitopf stehen, in verlassenen Häusern Geheimnisse entdecken, Beeren pflücken, Dorfleuten und Katzen begegnen, unterwegs sein … Eine Santa-Muerte-Figur steht in der Küche und erinnert mich an ihre Allgegenwärtigkeit. … Wer leben will … weiterlesen

alles geklärt

Wenn die Stimmung gereizt ist und die Gesamtsituation am Anschlag, dann hole ich gerne unsere Klärungstafel raus. Jeder Tag wird wem zugeordnet und die Person oder die Katze sind dann schuld, wenn es ihr Tag ist. An allem. Ich habe was beim Einkauf vergessen und Elsa ist schuld. Es ist ihr Tag. Oder Lucy pieselt neben das Katzenklo und ich übernehme. Je mehr wir den Kreis erweitern von denen, die mitmachen, umso leichter wird es für alle. Dann ist mal die Wirtin wetterschuldig oder es entschuldigt sich wer und jemand sagt, „nein nein, ich war’s. Ich habe heute Kapazitäten, ich … alles geklärt weiterlesen

Geflickt

Flicken – ich werde Gewebe, das zerschlissen ist, sichtbar flicken. In anderer Farbe, großzügig und mich im Unvollkommenen und Vergänglichen zeigen. Die alten Kittelschürzen, die ich geschenkt bekommen habe, sind alle geflickt und darin ist eine große Schönheit. Die Zerbrechlichkeit von textilem Material ebenso wie die Risse vom Gewebe der Gesellschaften wollen gewusst und gesehen sein. Kein Verschleiern, kein möglichst perfektes Überdecken von Löchern, Wunden oder Narben. Mein geflicktes, lange getragenes, geschichtenvolles Gewand ist intimer als perfektes, neu erworbenes. Es braucht ganz individuelle Lösungen für jedes Loch und so wird es immer mehr eine Persönlichkeit mit mehr Ausdruckskraft, ein kostbares … Geflickt weiterlesen

Tee mit Morgenseiten

Tagesabläufe und Rituale – ich will sie mir bewusst machen, sie auf ihre Stimmigkeit hin abklopfen und bekräftigen oder ziehen lassen. Mein Morgen ist ganz stimmig choreografiert. Da stimmt auch die Ernährung. Die Muße ist da, der Tee und die Morgenseiten gehören dazu. Ich runde die Träume ab und fege schreibend den Weg in den Tag frei. Ich liebe meine Morgen, wenn sie genug Zeit haben. Dann entfalten sie ihre Qualität. Es gilt also, die Morgenzeiten gut zu hüten. Sie läuten den Tag ein und sie sind mir mittlerweile heilig. Das Morgenritual ist das Stabilste meines Tages. Bisher konnte ich … Tee mit Morgenseiten weiterlesen

Im Auge des Sturms

Im Weltgeschehenswirrwarr, im Wirbelsturm, in der Unruhe – verwurschtelt, verknotet, verstrickt. Was tun? Und wohin, wenn so viele Stürme über die Erde fegen? Zeichnend begebe ich mich ins Auge des Orkans. Dort müsste es ruhig sein, wenn ich es wage hineinzugehen, wenn ich diesen Ort in mir finde. Zuerst die Figur setzen, dann die Qualität all der unsteten Kräfte erzeichnen. Im Zeichnen erspüre ich etwas davon, die Unruhe, das Gezacke, die Wut, die Emotionen, die sich zusammenbrauen. Im Auge des Sturms findet mein wilder Aktionismus ein Ende. Dort ist es ruhig. Und wolkenfrei. Die Vernebelung im Hirn verschwindet. Das Auge ist … Im Auge des Sturms weiterlesen

Balancen

Was tun, um immer wieder die Balance in dem Weltenwanken zu finden? Tages- und Zeitqualitäten schieben, umgruppieren, gewichten. Es ist eine Art Mesa mit Papieren und Bildern – erspüren, was wieviel Raum braucht. Gewichtungen – sehen, verändern, lassen. Es entzieht sich dem Verstand. Es erzählt nicht, wo es wie wirkt und ob überhaupt. Es ist wie Musik in der Suppe. Oder Geschichten im Erdbeerfeld. Es scheint mir manchmal absurd und gleichzeitig stimmig in diesem absurden Gesamtgeschehen. Papiere, Farbblöcke, Linien verrücken. Zurechtrücken. Imbalancen erkennen, ganz subjektiv, so wie eh alles. Ausgleichen, beheben, begrenzen oder weiten, Raum geben oder nicht. Etwas von A … Balancen weiterlesen

Textile Verwertschätzung III

Das Projekt „Keine neuen Klamotten“ ist im Jahr Drei angekommen. Aus einer Lieblingsjacke, die zu alt geworden war, ist eine Tasche geworden. Aus einer umgenähten Tasche, die an entscheidenden Stellen löchrig geworden war, ist eine Kitteltasche geworden. Aus einem Kleiderfitzel ist ein Kopf geworden. Weil er der einzige seiner Art ist, ist er ein Schmuckstück geworden. Und es ist ein geschichtenreiches Projekt geworden.  Es gibt textile Sammelbehälter, in die Knöpfe, Spitzen, Bänder, Stoffteile wandern, um sich in neuen Zusammenhängen wiederzufinden. Die Verwertschätzung bringt ungeahnte Textilfreundschaften. So wie mein Heimatgewand ein Patchworkgewand ist, genauso wie meine „Heimaten“, so ist mein Bekleidungsbestand ein … Textile Verwertschätzung III weiterlesen

Schnittmengen

Wenn ich eine Schnittmengen-Landkarte erstelle, kommt Erstaunliches heraus. Mit wem ich alles wo Schnittmengen habe, das ist wirklich viel. Von rechts bis links, von oben nach unten. Wollte ich Schnittmengen aus Feldern vermeiden, die nicht lupenrein sind, dann müsste ich mich komplett aufgeben. Im Laufe des Älterwerdens habe ich mich mit Schnittmengen auch in schwierige Felder hinein ausgesöhnt. Der eigenen Spur und Wahrheit folgen und dazu zu stehen, das zieht manchmal Alleinwege nach sich. Die Pazifistin zum Beispiel sitzt gerade an sehr kleinen Feuern. Es ist ihr egal. Es ist wie mit der Etikettierung, auch da bin ich entspannt geworden. … Schnittmengen weiterlesen

Sammelsurien

Es gibt viele Wege, sich selbst besser kennenzulernen oder zu verstehen. Die Selbsterforschung ist einer davon. Ich ethnografiere – meine Tagesabläufe, meine Gedanken, Wege und Lebensräume. Und komme mir auf die Spur, auch auf die geheime, auf manche Schattenpfade und hin zu Quellen und Schatzkammern.Mich erforschen, beobachten, entdecken, studieren. Die Forscherin möchte dokumentieren, was ich da alles sammle. Ich hinterfrage mich, meinen Konsum, meine Gedankenwege, das Unbeachtete in meinem Lebensraum, den produzierten Abfall, das Zu-viel-von … , Miniaturschätze, Schatten, die Morgenteespuren und noch vieles andere. Und so sortiere ich, arrangiere die Ergebnisse und lasse der Künstlerin freie Hand beim Kartografieren. … Sammelsurien weiterlesen