Wertschätzen und Entsorgen

„Wertstoffhof“ sagt es eigentlich schon. Stoffe, die etwas wert sind, Dinge, die kostbar sind und doch abgeschrieben. Wenn sie am Wertstoffhof landen, wurden sie entsorgt und sind uns nichts mehr wert. Die Beziehung ist beendet, der Toaster ist riskant geworden, der Stuhl wackelt zu oft oder passt vom Design her nicht mehr. Wertschätzung ade. Entsorgen – dafür gibt es die riesigen Behältnisse, die Sorgen aufnehmen. Unsere Materialsorgen. Manchmal sind die Sorgen der einen die Schätze der anderen. Ich mag Müll, Kehricht, Second Hand. Schätze im Müll finden, gute Antworten im Kehricht-Orakel. Verwertschätzungen.  Die Närrin lädt mich ein, einen Tag auf … Wertschätzen und Entsorgen weiterlesen

Lernen und Denken

Mit der Närrin im alten Schulhaus der dörflichen Zwergenschule. Risse, Verfall, ein verlassener Ort. Hier ist es gut, über unser Lernen und Denken, über das Schulsystem und das System überhaupt nachzudenken. Es ist ein für das Ganze bezeichnender Ort. Es gibt keine Mittel für Renovierungen, schon lange nicht mehr und es ist dem Verfall preisgegeben.  Ist uns eigentlich das Denken beigebracht worden? Oder eher das Lernen? Die Närrin sucht die Nullräume auf. Dort können wir alles ausatmen und neu beginnen. In jedem Schulhaus einen Nullraum, in dem wir feste Meinungen oder Zuschreibungen austamen können. In dem wir uns neu gebären … Lernen und Denken weiterlesen

An der Tankstelle

Zeiten wie diese brauchen ein gutes Energiemanagement. Die Närrin empfiehlt eine Tankstelle, das wäre das Naheliegendste. Ich gehe an eine große Tankstelle. Dort gibt es verschiedenste Energietankversprechen. Überall steht es: Energy Drink, Power, Boost, Maxx, Turbo. Und Sprit natürlich. Treibstoff klingt nochmal anders. Ich will genau hinschauen, wo ich Energie tanke und was der Stoff ist, der mich treibt. Ich stehe und schaue, was kommt. Fragen, natürlich. Sie kommen immer, wenn ich lang genug stehe. Was gibt mir Energie? Wo sind meine Tankstellen auf der roten Straße des Lebens? Welches sind gute Rast- und Tankstellen auf den weiten Lebensreisen? Wo … An der Tankstelle weiterlesen

Verrückungen

Lasst uns Verrückungen vornehmen, da, wo wir den Impuls haben. Wir könnten dort, wo es uns anspringt, verrückende Dinge tun. In Zeiten, in denen es immer enger, unfreier und irrsinniger wird, sind Verrückungs-Geschichten heiss. Im besten Fall streuen wir heilsame Samen ins Betriebssystem der Gewohnheit. Wo auftauchen und dabei wunderliche und überraschende Dinge tun oder sagen, Unerlaubtes wagen, den Finger auf die Sollbruchstellen legen, Routinen aufkündigen und die festen Wege verlassen. Mit Herzfeuer, mit Witz in den Augen, mit Lippenstift auf den Zähnen. Liebesrebellisch bleiben Verrückungen weiterlesen

Ruhen

Die Närrin führt mich an Orte, die vom „Einstmals“ erzählen. Orte, die ihre Aufgabe, ihre alte Funktion nicht mehr erfüllen müssen. Die ruhen. An denen es still geworden ist. Die Natur beginnt, diese Orte einzunehmen. Die Wildnis kommt langsam näher und überwuchert Gewesenes. Sie kriecht durch die Ritzen im Beton und schiebt sich durch zerrissene Plastikplanen. Regen und Wind tun das ihre dazu. Es ist eine Art Nullpunkt – alles ausgeatmet. Das Alte ist nicht mehr, Neues ist noch nicht da. „Wirf Samen“, sagt die Närrin, „es ist eine gute Zeit dafür.“ Meint sie auch meine Innenräume? Und die Zeiten, … Ruhen weiterlesen

Investmentfragen

Die Närrin will an die Börse und zu Banken. Es geht um Investments. Sie fragt, in was ich investiere. So grundsätzlich. Sowas fragt sie immer, wenn ich da noch ganz viel Luft nach oben habe. Sie meint am besten wäre es, in die eigenen Fähigkeiten, Ideen, Gaben zu investieren. Investieren wir in uns und unseren Weg? Zeit, Energie, Geld, Gedanken, Herzblut …  Auf den Mehrwert schauen. Statt in Materie in Erlebnisse investieren, ins Gelebte, ins Unterwegssein, in Freundschaften, in Projekte, die scheitern dürfen. Besonders die sind verheißungsvoll. Wir wachsen ja oft erst dort, wo etwas verloren geht. Vielleicht werden wir … Investmentfragen weiterlesen

Es braucht Träume

Unsere Zeit braucht Träume, verrückte Träume, wilde, poetische Träume, Schutzträume, Wandelträume. Es braucht auch die Tagträume, die durch die Straßen ziehen. Träumen wir in die Alltage hinein, träumen wir Fäden durch die dicken Mauern, bis sie porös werden. Träume, die ins Parlament einziehen, in Kasernen, in die obersten Etagen der Konzernhochhäuser. Tiergeister ziehen mit den Träumen mit, Pflanzendevas, das Volk der Steine, die Närrin, der Klang der Weisen Alten, Wir, geflügelte und verwurzelte Kräfte, vielfarbig, leicht flüchtig. So wie Träume sind. Sie kommen, verwehen und lassen Bilder zurück, von verstörender Poesie oder machtvoller Impulse, voller Blumensätze, die in den Haaren … Es braucht Träume weiterlesen

Warten

Eine Bushaltestelle im Nirgendwo. Weit weg von den Dörfern. Wer hierher will, muss wollen – einen Kilometer entlang der Straße, auf der nichts anhält. Warten. Stehen. Die Sitzbank ist zerbrochen. Ein Brett fehlt, ein anderes kippt. Den ganzen Tag warten. Warten wird nicht besonders hoch geschätzt. Es produziert auch nichts, außer vielleicht Erkenntnis. Und zu viel Erkenntnis ist nicht erwünscht. Die Närrin führt mich in das verfallene Bushäuschen und ich warte. Nicht abgeholt werden – das kennen wir. Nicht vom Bus, nicht von der Politik, nicht vom Geschehen, nicht von Versprechen, nicht von denen, die behaupten, irgendwo gäbe es einen … Warten weiterlesen

Auf der Jagd

Es geht weiter mit der Närrin, ich mache ein poetisches Tagebuch mit ihr und heute ist es eine Art Spiegel unserer „Jagdgesellschaft“, von der ich ein Teil bin. Die Närrin schickt mich auf einen Jägerstand. „Für den Überblick“, sagt sie. Ich klettere hinauf, etwas unsicher, wie eine, die eigentlich nur schauen wollte und plötzlich merkt: Es wird ernst. Von hier oben sehe ich alles. Oder zumindest denke ich das – was schon die erste Täuschung sein könnte. Mäuse huschen durch das Unterholz, Hasen gestaltwandeln und können sich unsichtbar machen, Beeren und saftige Blätter bieten sich verlockend an und lassen offen, ob es … Auf der Jagd weiterlesen

Wieder mal die Närrin

In ungeheuerlichen Zeiten rufe ich gerne die Närrin. Ihre Verrückungen und unsere Verrücktheiten könnten uns vor dem Wahnsinn bewahren. Närrin-Impressionen zu unserer Welt und unserer Gesellschaft wehen her. Geht es darum, zu bezeugen, was geschieht: Mit staunenden Augen, alles für möglich haltend, vielleicht das Sterben der alten Welt zu bezeugen? Oder darum, dem Geschehen zu begegnen wie die heiligen Clownsleute einstmals den Pockengeistern, dem Bedrohlichen, Unsteten begegnet sind? Furchtlos, allem ins Auge schauend, verhandlungsbereit, weil sie fähig waren, mit all dem zu tanzen und auch mächtige Chaos-Spieglerinnen waren? Die Närrin hat kein leichtes Spiel bei uns. Bis dahin, dass sie … Wieder mal die Närrin weiterlesen