Der Lebensmantel

Es liegt ein Mantel um unsere Schultern, unsichtbar, spürbar, reich. Lebenslandkarten sind eingewebt aus Fäden verschiedenster Farben und Beschaffenheit. Jeder Mantel ist so einzigartig wie die, die ihn tragen. Alles ist eingewebt, unser Lieben und unser Vermögen, unser Wissen und unsere Weisheit. Er ist gewirkt aus all den Fäden unserer Verbindungen, Fäden aus vielen Sommern und Wintern, aus Frühlingskraft und Herbstweisen. Für alle Jahresringe kommt etwas hinzu. Die Farben des Landes fliessen ein und die Geschenke all unserer Verbündeten. Wie der Mantel von Allerleirauh ist der Mantel voll von Geschenken derjenigen, mit denen wir verbunden sind, mit der Kraft unseres Totems und den fein gewirkten Gespinsten unserer Spirits.

Ahnenalte Wege zeichnen sich ab, hauchfein, kräftig, vielgeschichtet. Sie haben ihren Platz. Geheime Geschichten sind in den Saum gestickt und in den Manteltaschen schlafen Träume. Manch ein Mantel funkelt, ein anderer ist fast wie Nebel oder Wasser, wieder ein anderer weht so leicht im Wind, als wäre er aus Licht und Sternenstaub gemacht. Es gibt Mäntel mit dem Duft von Bergen und Erde, von Wald und Seen.

Schätze und Narben, Medizinen, Herzblut, all unser Gewirktes findet Platz im Mantel der Königin. Alles, was wir geliebt haben, schenkt uns einen Faden, ebenso wie alles, was wir freigegeben haben. Unser Blut, unsere Tränen, unser Lachen und Leuchten zeichnet sich ab im Mantel. Es gibt Schattenfäden und Lichtfäden. Die winteralte Königin hat einen geschichtenreichen Mantel.

Über die Jahre wird der Lebensmantel immer eigener und facettenreicher, gespeist von unserem Unterwegssein, von Bewegtheit und Stille, von Leben in all seiner Vielfalt.