aus den Telefonfeuern mit Sarah Eileen – am Geschenktisch
Sarah, eine junge, wilde Wanderin und ich sitzen oft zusammen am Feuer und loten vieles aus. Manches wird dabei gesät, anderes gepflückt, geerntet, kompostiert oder eingemacht. Wir sprechen übers Schenken.
Die Gesprächscollage:
Schenken ist was völlig anderes als Tauschen, geschweige denn Verkaufen. Schenken ist harter Tobak in einem System, das so vom Geld beherrscht wird. Alles wird verkauft, angefangen bei der Mutterliebe. Alles – Flüsse, Wasser, Wissen, Zuneigung …
Es gibt so gut wie keine „Ohne-Geld-Geschichten“.
Frag mal rum, kaum jemand kann es sich ohne Geld vorstellen. Wenn Du sagst „raus aus dem Geldsystem“ zuckt alles zusammen. Wir leben schon so lange in einem Geldkonstrukt, da gibt es auch keine Alten, die uns noch von anderen Zeiten erzählen. Es ist zu lange her.
Auch Erfolg ist mit Geld verknüpft. Was ist für mich Erfolg? Da wäre es wenigstens mental möglich, aus dem Geldsystem auszusteigen. Wenn ich die Verlinkung von Erfolg und Geld löse.
Es ist doch so, wir leben in einer Welt, in der wir nichts geschenkt bekommen. Maximal die Luft zum Atmen. Im Schenken kommen wir vielleicht an einen Urschmerz, da wird es deutlich. Niemand ist bedingungslos willkommen oder angenommen in patriarchalen Systemen. Unser Kanal des „Ich empfange“ ist eng geworden und vernarbt. Nach und nach sind wir aus der Schöpfung rausgeworfen worden und unser Urvertrauen ist erschüttert. In der Natur, im Tiefenverstehen von Mütterlichkeit bekommen wir geschenkt. Da NEHMEN wir nichts, da bekommen wir.

Schritt für Schritt rausgehen aus dem Nehmen, dem Geldsystem, und seien es Tippelschritte. Das ist machtvoll und radikal. Mit jedem Schritt für eine andere Weise des Hierseins gehen, fürs Leben gehen, das selber ein Geschenk ist. Ich finde es eine richtige Herausforderung. Es ist eine verdammt zähe Angelegenheit.
Ein Freund hat mir ein großes Hopi-Wort gesagt, pinu´u. Es heisst zum einen „Ich bin Ich“ und auch „Geben, um zu geben“. Ich finde, das hat viel miteinander zu tun. Es erzählt von einem tiefen Selbstverständnis unseres Seins, unseres Wertes und eines Willkommens auf der Erde und im Leben. Tragende, heile Gemeinschaften kennen es. Aus dem heraus ist es leicht und selbstverständlich zu geben, was wir zu geben haben. Vielleicht sprechen wir irgendwann einmal eine Sprache, in der es kein Wort mehr gibt für Arbeit, für Geld oder Lohn und noch so manches. Dafür haben wir ganz neue weise Wörter, die erinnert oder erfunden werden wollen.