In den Städten ist kaum etwas von unserer schönen Wildnatur zu spüren. In musealen Räumen ist es ruhig und gesittet und man ist unter sich.
Die Zeit der Ausstellung im frauen museum wiesbaden ist vorbei und ich merke, was für eine Kraft und Schönheit es hat, die Kunst hinauszutragen – ins Leben, in die Wälder, aufs Feld. Dorthin, wo es sich auf ganz natürliche Weise wandeln kann, wo Regen und Sturm und Vögel und Katzen mitwirken, wo Füchse an den Samenzetteln riechen und der Wind die Asche mitnimmt. Wo nachts die Rehe all die Geschichtenbänder beäugen und die Eulen mit ihrem Flügelschlag einen Bewegungshauch hineingeben.
FEMORIAL – viele Namenszettel sind zusammengekommen für all die Frauen, die Wegbereiterinnen, Wegbegleiterinnen waren und sind, wichtige Ahnfrauen und Gefährtinnen, Inspirierende und die, die an uns glauben, Heldinnen unserer Alltage, Spiel- und andere Gefährtinnen, Musen, Patinnen, Liebste, Bedeutende samt der Besucherin selbst.
Jetzt hängen all die Namenszettel wie Gebetsfahnen im Wind.


Im Bereich der Wortmagie in der Ausstellung gab es die Wortgruft, für Wörter, die jemand endgültig aus dem eigenen Sprachraum verabschieden will. Ich habe sie dem Feuer übergeben und die Asche den Winden.


Die Geschichtenbänder sind bei einer alten Buche im Buchenhain. In dem habe ich mich verlaufen, durch Brombeerdickicht, ins Unterholz, weil es ja weit ab vom Weg sein sollte. Irgendwann war ich tief in den Wäldern und die Buchen habe mich immer weitergereicht, bis es eine Alte war, die alle Geschichten zu sich genommen hat.


Dann gab es die vielen Samenzettel, die ich der Erde übergeben habe, draussen auf den Feldern, wo der Blick ganz weit geht, bis zu den Alpen. Dort, wo die wilden Wiesen sind mit den vielen Blumen. Weil die ganzen Wünsche und Gebete, die Träume und Visionen so bunt und vielfältig sind wie die wilden Blumen und Gräser.


Ja, ich finde, die Kunst gehört ins Leben, auf die Straßen, die Dorfplätze, in natürliche Umgebungen, in die Alltage. Sie ist kraftvoll, wenn sie sich daraus gebiert und sich dort beheimatet, wenn sie Gemeingut ist, alltagswundersam und lebendig.