Mutbegabt und scharf gesehen

Es gibt so viele Begabungen. Eine davon ist mutbegabt. Weil es Mut braucht, sich zu erinnern – an ganz andere Weisen zu leben beispielsweise. Und dann, weil es gelebten Mut braucht, um etwas Neues entstehen zu lassen. Manchmal könnte es auch Mut zur Feigheit sein.
Mut hat starke Geschwister, wie die Unbeirrbarkeit oder die Beherztheit. Und es gibt noch mehr. Sie zeigen sich den Mutbegabten zum Beispiel, wenn die wieder einmal gegen den Strom sprechen.

Auch wutbegabt ist eine Kunst. Wut könnte eine loyale Begleiterin an unserer Seite sein. Sie wird uns etwas über Grenzen erzählen und sich melden, wenn diese verletzt werden, wenn etwas nicht stimmt. Wie eine Späherin an den Grenzen.

Beides können wir in den wilden Landstrichen unseres Seins spüren. Wildheit ist vielleicht die Urkraft des Mutes und sie kann mit der Wut tanzen und sie verstehen. Erobern wir uns einen wilden, neuen Blick zurück. Die wilde Kraft des Mutes. Nicht gezähmt, freilebend. Aus unseren wilden Landstrichen alles wieder holen, wieder erinnern, wieder leben, was einstmals gezähmt und enteignet worden ist. Unsere Wut erzählt von der Enteignung und unser Mut lässt uns für unsere uralte Wildnatur gehen. Barfüßig denken bringt uns näher in unser wildes Sein. Ich glaube, tief innen erinnern und wissen wir, dass wir wildnatürlich sind – wilde, ungepflügte Erde, amphibienschimmernd, mit dem herben Duft von Wölfen.