Der Sommer ist endlich

Wenn die Katzenmütter im alten Sommer anfangen, ihre Jungen wegzuschicken, könnten wir ganz viel von ihnen lernen. 

Sie lassen ihre Jungen immer häufiger allein, um Nahrung zu suchen. Die Katzenkinder finden das genauso bitter wie viele Menschenkinder. Ich war auch sehr empört, als meine Eltern entschieden haben, dass sie mich selbständig werden lassen, weil sie an mich glauben und auch daran, dass ich nicht verhungern werde und meinen Weg gehe.

Die Kätzlein sind gut vorbereitet worden. Das ist anders als bei uns. Und dennoch, wenn sie auf sich allein gestellt sind und selbstständig jagen und überleben müssen, dann gibt es tausend Tricks und Versuche, es hinauszuzögern oder zu verhandeln. Was sie da alles versuchen. Die wilden Katzen in Spanien haben mir viel vorgelebt, wie das mit dem Erwachsenwerden, dem Reifen geht. Auch ihre Frage war, ob es nicht ewig Sommer bleiben könnte. Die klugen Katzenmütter sagen „Nein, der Sommer ist endlich.“ Die ewigen Sommerkinder können in den ersten Frösten sterben. Und spätestens der Winter fragt ab, was im Sommer spielerisch gelernt worden ist oder eben nicht.

Jetzt, da der Sommer alt wird und die Gedanken immer mal zum Herbst fliegen, ist sie wieder da, die Weisheit der Natur. Nur wer dem Ei entschlüpft, kann (er)wachsen (werden). Fürs Fliegen ist es zu eng im Ei. Und es braucht die freifliegenden, reifen Wesen für eine tragende Gemeinschaft. Die, die ihren Platz einnehmen, die einen großen Sommer in sich tragen, einen durchwanderten Herbst samt den Landkarten und die deshalb den starken Wintergeist verkörpern.