Vom guten Zeitpunkt

Für was ist es gerade die richtige Zeit? Wie gut gehe ich mit Kairos – dem Spüren und Wissen wann es für was die Zeit ist? Wenn ich zum Beispiel tief im Westen bin, dann ruft alles nach Rückzug. Dann will ich träumen und ruhen und nach innen schauen. Dann bin ich langsam und horche viel.

In unserer Zeit kann ich nicht einfach in die Wälder gehen und dem Westen den ganzen Raum geben und die Zeit, die es braucht. Zumal ich es ja dort draussen abwarten müsste, wann die Westzeit gerundet ist. Wenn dann Nordstruktur gefragt ist, etwas getan werden muss, zeitnah, Termine eingehalten, dann merke ich, wie mühsam es ist, etwas zu tun für das eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt ist. Dem Finanzamt kann ich ja nicht klarmachen, dass ich momentan im Westen bin und mich melden werde wenn der Nordwind weht. Schön wärs. Wenn es von der Zeitqualität her stimmt, dann ist es wie mit Rückenwind unterwegs sein, wie Fliegen bei besten Winden, lustvoll, leicht. Wenn der Zeitpunkt nicht stimmt, dann läuft es schwer und unrund und es kostet viel Lebenskraft.

Und so habe ich eine Kugeldose aufs kleine Lebensrad gestellt und innen ein dunkles Nest gemacht. Wenn ich merke, dass etwas nicht aufschiebbar ist und dafür nicht der richtige Zeitpunkt, dann schreibe ich es auf einen Zettel und lege ihn in die Dose. Mit dem Wunsch, dass es dennoch gut geht und ich Unterstützung bekomme. Ich vertraue es der Weisheit der Zeit an und will, so gut es geht, für die stimmigen Dinge zum guten Zeitpunkt gehen.