Vom Übergang

Eine wirkliche Trauerkultur wäre jetzt hilfreich.
Unsere Gesellschaft versteht so wenig von Tod und Trauer. Bevor wir in etwas Neues gehen, will doch das Alte, auch wenn es richtiger Murks war, verabschiedet und betrauert werden.

Wenn ich beispielsweise nie wieder fliege, dann hilft es mir, es rituell loszulassen, vielleicht sogar mit Wehmut, auch wenn ich es einsehe und selbst entscheide. Kollektiv verabschieden wir gerade unsere bisherige Welt. Übergänge, Loslassen, all die vielfältigen Abschiede. Das will gehalten und verstanden sein. Es braucht den Raum für all die Emotionen, die dazugehören.
Sind wir in einem kollektiven Abschieds- und Trauerprozess, der uns so gar nicht wirklich bewusst ist? Vielleicht ist es gleich gültig, ob wer im Schmerz ist, weil die Party zu Ende ist und nicht mehr kommen wird oder weil es ein tiefes Wissen um den gewaltigen Weltenwandel gibt, der uns alle anrüttelt und es ein Abschied von den alten Leben ist. Wenn ich mich im Abschied spüre und lebe, dann kommt ein Mitfühlen mit den anderen, denen es genauso geht. Dann finden wir uns in der Trauer zusammen. Dann sehe ich so viele an der Schwelle stehen, mit ihren Tränen, der Angst, der Wut, voller Hoffnung, mit einem Ahnen, mit allem, was im Übergang geschieht. Weht der Wind deshalb immer mal eine tiefe Traurigkeit von irgendwo her? Die Fährfrauen sind gefragt, die Hebammenweisheit an der großen Schwelle, hinüber und als Geburtshelferïnnenkraft in etwas Neues hinein.

Alles Wissen von Übergangsritualen ist kostbar, um aufzufangen, was an Trauer und Bewegtheit da ist und um das Gold dieses mächtigen Prozesses zu heben.