Es braucht Träume

Unsere Zeit braucht Träume, verrückte Träume, wilde, poetische Träume, Schutzträume, Wandelträume. Es braucht auch die Tagträume, die durch die Straßen ziehen. Träumen wir in die Alltage hinein, träumen wir Fäden durch die dicken Mauern, bis sie porös werden. Träume, die ins Parlament einziehen, in Kasernen, in die obersten Etagen der Konzernhochhäuser.

Tiergeister ziehen mit den Träumen mit, Pflanzendevas, das Volk der Steine, die Närrin, der Klang der Weisen Alten, Wir, geflügelte und verwurzelte Kräfte, vielfarbig, leicht flüchtig. So wie Träume sind. Sie kommen, verwehen und lassen Bilder zurück, von verstörender Poesie oder machtvoller Impulse, voller Blumensätze, die in den Haaren hängen bleiben und einem Duft, der an die Grenzen der ausgetretenen Pfade führt. Dorthin, wo die Hochhäuser aufhören und etwas anderes beginnt. 

Unsere unterschiedlichen Träume werden sich verbinden. Traumgespinste, die Wirklichkeiten einfangen und wandeln oder unschädlich machen. Sowas wie Traumfänger nur andersrum. Träume, die die Wachwege schützen. Träume, die Schwieriges einfangen. Im Traumgespinst wird das Heilsame zu leuchtenden Fäden und gleitet durch sie ins Leben. Mit dem Mondlicht lösen sich die erstarrten Geschichten auf, die sich im Traumgespinst verfangen haben.

Wie ist denn im Moment unser stärkster Traumfaden? Meinen erlebe ich gerade zart, hell, vibrierend, feiernd, wilde Zeiten erinnernd. Die wirren und irren Weltgeschehensgeschichten brauchen Träume, ein Aufgefangenwerden im Traumgespinst. Es ist Zeit fürs Aufträumen.