Analog

Immer wieder lande ich im digitalen Wahnsinn bei irgendeiner notwendigen Umstellung oder Beantragung. Dann reicht kein Hochschulstudium, keine digitale Kompetenz, nix. Dann spüre ich wirklich sowas wie Wahnsinn, Überkontrolle, absurde Valentinesken und komme mir vor wie in einem Kafka-Roman, so einer Art absurdem Alptraum. Es muss das Recht geben, nicht digital unterwegs zu sein UND Teil der Gesellschaft. Ich will ohne Handy und Rechner und ohne Kreditkarten am Leben teilhaben können. Ich gehe für die analogen Wege, auch wenn sie nicht zeitgemäß scheinen und obwohl ich digital halbwegs gut unterwegs bin. Ich will die Wahl haben, immer. Es verknüpft sich … Analog weiterlesen

Mono no aware

Zur Blütezeit weht eine japanische Weisheit her. Es ist das Bewusstsein der Vergänglichkeit, mono no aware, das im Älterwerden immer feiner wird. Kirschblüten spiegeln die Schönheit und die Flüchtigkeit des Lebens. Eine sanfte Traurigkeit weht mit den Blüten im Wind her. Zartheit, das Fragile des Lebens, die Schönheit darin, das sind kostbare Momente, die sich zur Kirschblütenzeit auf zauberhafteste Weise schenken. Es ist eine Einladung, das Leben zu feiern und zu genießen und die Freude und das Vergehen anzunehmen. Nichts ist von Dauer. Die Intensität der Augenblicke erspüren. Die Freude in uns bewahren, dass es sie gab, egal wie lang … Mono no aware weiterlesen

Der Lebensmantel

Es liegt ein Mantel um unsere Schultern, unsichtbar, spürbar, reich. Lebenslandkarten sind eingewebt aus Fäden verschiedenster Farben und Beschaffenheit. Jeder Mantel ist so einzigartig wie die, die ihn tragen. Alles ist eingewebt, unser Lieben und unser Vermögen, unser Wissen und unsere Weisheit. Er ist gewirkt aus all den Fäden unserer Verbindungen, Fäden aus vielen Sommern und Wintern, aus Frühlingskraft und Herbstweisen. Für alle Jahresringe kommt etwas hinzu. Die Farben des Landes fliessen ein und die Geschenke all unserer Verbündeten. Wie der Mantel von Allerleirauh ist der Mantel voll von Geschenken derjenigen, mit denen wir verbunden sind, mit der Kraft unseres … Der Lebensmantel weiterlesen

Die Schönheit gegangener Wege

Kintsugi – die japanische Kunst, gesprungene oder zerbrochene Keramik zu reparieren. Ein langer Lebensweg heisst, dass hier und dort was abgeblättert ist, ein Riss, eine alte Wunde. Das Leben hinterlässt Spuren. Wie bei einer Teeschale oder einem oft benutzten Gefäß aus Porzellan. So etwas zu reparieren bedarf einer Kunstfertigkeit und der Wertschätzung. Kintsugi ist die Kunst, die wir uns für die Verwundungen und Risse unseres Lebens zueigen machen könnten. Sie versucht weder den Riss zu leugnen, noch ihn zu verbergen. Ganz im Gegenteil. Er wird mit Gold hervorgehoben. Wie geehrte, sichtbare Linien auf Lebenslandkarten, wie die schönen Falten in alten … Die Schönheit gegangener Wege weiterlesen

Der Erntetisch

Die Herbstzeit, in der Tag und Nacht noch fast gleich lang sind. Die Nächte werden langsam länger. Licht und Dunkelheit befühlen. Das Leben kosten – den Sommer des Lebens einverleibt, Kirschkerne gespuckt und so neue Bäume gepflanzt. Das Miteinander von Leben und Tod. Mama Vida und Santa Muerte, die zusammen am Erntetisch sitzen. Lebensgeschenke, so köstlich wie Kirschen und die Zeiten des Verabschiedens – sie alle liegen auf dem reichen Erntetisch des Jahres. Der Erntetisch weiterlesen

Katzen und Elefanten

Die Geheimnisse der Nacht verstehen und die Künste des Fliegens beherrschen, das hat mich immer schon interessiert. In den heissen Sommernächten schaue ich den Katzen zu, wenn sie wundersame Wege gehen, auf Zäunen balancieren und nebenbei Banden bilden mit welchen, die ihnen tagsüber suspekt sind. Es ist, als ob in der Nacht andere Wege rufen, andere Geschichten erzählt werden und andere Regeln gelten. Katzen, die auf der Haaresbreite unterwegs sind, entschlüsseln die Geheimnisse der Nacht. Sagen sie. Und dann sind da die Elefanten. Den Katzen ist die Farbe der Elefanten egal, wie überhaupt das Aussehen von egal wem. Auch ihr … Katzen und Elefanten weiterlesen

Antworten im Wind

Fragen im Wind Ruft da was? Klopft es an der Tür?Es wird viel erzählt vom Hören eines Rufs. Wäre ich bereit, den Ruf zu hören? Oder das Klopfen an der Tür? Höre ich einen Ruf? Viele Fragen. Wo sind die Antworten? Oder geht es um die Fragen? Werde ich hinausgehen? Ohne zu wissen, was auf mich wartet?Was ruft wirklich? Was wartet da draussen auf mich? Muss ich es wissen? Jetzt schon?  Ich frage den Wind.  Ist es Zeit, mein altes Zuhause zu verlassen?Was steht mir denn im Weg? Will noch was beendet werden? Ist noch was unerfüllt? Noch was offen? Was will gehört und gesehen werden? Ob … Antworten im Wind weiterlesen

Lange Weile

Sie schleicht sich ein, heutzutage ja selten. Wenn eine große Geschichte rundgetanzt ist und das Neue noch in weiterer Ferne. Wenn erstmal alles getan ist. So wie im Moment bei mir – der Wildkräuterkongress ist zu Ende und die Frauenmuseums-Ausstellung ist in drei Wochen. Leerraum. Es gibt nichts zu tun, die Tage sind lang und die Weile ebenso. Kindheitserinnerungen. Da war sie öfter zu Gast, die Langeweile. Die Zeit hat sich gedehnt und sie wollte sich nicht wirklich füllen mit was. Katzen können Langeweile geniessen. Mich macht sie etwas nervös. Da kommt schnell die Angst vor Versäumnis und die Ungeduld. … Lange Weile weiterlesen

Wenn die Rabenvögel kommen

Sie bringen Magie und Zauber und viele Geschichten. Eine ist die einer Dohle in den Bergen, die den Hirnraum weitet. Sie fordert mich auf zu fliegen, weit, Höhenflüge zu machen und in eine große Freiheit hineinzufliegen. Das ist heilsam, gerade wenn ich mich wieder so richtig aufrege und tausend Ungeheuerlichkeiten sehe. Ich finde meine Empörung ja berechtigt, die Dohlen scheinen zu lächeln. Sie bleiben dabei – gedanklich weit und kühn und frei werden. Im Fliegen kommt eine gute Distanz zu all dem Geschehen. Wenn die Stürme zu rauh werden, fliegen die Dohlen ins Tal obwohl sie Flugkünstlerinnen sind. Wie weise … Wenn die Rabenvögel kommen weiterlesen

Gefährtinnen

Eine Erinner- und Ehrungsschachtel für Gefährtinnen. Wer und was gehört da alles rein? Manche bekommen Perlen, Knöpfe, Steine, andere Namenszettel. Wenn es sich mal verloren anfühlt, dann ist so eine leuchtende Gefährtinnenschachtel genau das Richtige. Weil so viele auftauchen und das ziemlich wärmend und tragend ist. Gefährtinnen sind auch Kieselsteine und Katzen, Regenschirme und Heupferde und Radiergummis. Hausspinnen und Schnee, Schoki und Haikus und Wasserhühner. Wandergänse auch. Gefährtinnen weiterlesen