Der Erntetisch

Die Herbstzeit, in der Tag und Nacht noch fast gleich lang sind. Die Nächte werden langsam länger. Licht und Dunkelheit befühlen. Das Leben kosten – den Sommer des Lebens einverleibt, Kirschkerne gespuckt und so neue Bäume gepflanzt. Das Miteinander von Leben und Tod. Mama Vida und Santa Muerte, die zusammen am Erntetisch sitzen. Lebensgeschenke, so köstlich wie Kirschen und die Zeiten des Verabschiedens – sie alle liegen auf dem reichen Erntetisch des Jahres. Der Erntetisch weiterlesen

Ein Weisheitsfunke fliegt mich an

Solche Weisheitsfunken entzünden immer wieder mein inneres Feuer und gleichzeitig finde ich sie herausfordernd. Sie lassen mich so einiges überprüfen – mein Leben, meine Welt, mein Unterwegssein darin. Das passt zum Herbst, die Sortierstation, die Spreu vom Weizen trennen, mit den Schatten tanzen, nach innen schauen, den Dingen auf den Grund gehen, tief schauen … Der Weisheitsfunke, den ich in einem Artikel gefunden habe sagt: „Wenn Du Dir eine bessere Welt wünschst, mögest Du vorleben, was Du darunter verstehst.“ Schon mal die Frage, was ich darunter verstehe. Sie impliziert ja, dass es etwas ganz anderes sein könnte als das, was … Ein Weisheitsfunke fliegt mich an weiterlesen

Von Banden und von Zärtlichkeit

Banden bilden macht richtig Spass und gute Banden wissen, wie sich gute Bande untereinander anfühlen und wie sie gewebt werden. In Zeiten großer Entwurzelung braucht es beste Gemeinschaften, nährende Kreise, ein wildes und lustvolles Miteinander. Bande ist ja so ein eigenes Wort. Es gefällt mir, gerade weil es kein Kaffeekränzchen ist und auch keine literarische Diskussionsgruppe. Eine Bande ist wild, abenteuernd, lärmend und johlend, bisweilen meuternd und noch so einiges. Ich sehe eine Bande von verrückten Alten, die es ernst meinen. Eine Alpen-Anarchistinnen-Bande. Die Alpen-Anarchistin fragt: Brauche ich eigentlich wen, der mich regiert? Dem ich die Macht gebe, mein Leben … Von Banden und von Zärtlichkeit weiterlesen

Herbstahnung

Mit den Ockerfarben und dem warmen Licht des jungen Herbstes fällt mein Blick auf die herbstlich werdende Erde und zu den Wolken hinauf. Die intensiven Züge der Vögel beginnen bald. Den Zugvögeln zuwinken, das mache ich seit meiner Kindheit. Weil sie das Unterwegssein verkörpern, die Freiheit, das Gleiten durch die Lüfte. Das fand ich immer sehr aufregend, farbig und lebenswert. Als flögen sie in eine Zukunft hinein, die verheissungsvoll ist. So habe ich es mir ausgemalt. Und heute? Spüre ich, wie kostbar es ist, für die Freiheit zu fliegen. Für den Lebensmut zu gehen, in Gemeinschaft zu fliegen, damit sich … Herbstahnung weiterlesen

Wenn der alte Sommer geht

September, Altweibersommer. Der Sommer ist alt. Wenn ich den alten Sommer tanze, weiß ich, dass es nicht mehr mein Lebensfeuer ist, dass ich am Schwarzmondfeuer sitze. Gedanken zum alten Feuer. Vielleicht spüren wir das Nicht-initiiert-sein im Alter hin zu den Ältesten nochmal schärfer als das Nicht-initiiert-worden-sein in unsere Medizin. Weil es auf den weissen und den roten Lebenswegen noch mehr Lehrende gab, sind wir in unsere Medizin noch mehr geführt und begleitet worden. Im alten Nordland wird es stiller und es sind weniger unterwegs. Je weiter wir auf dem Lebensrad gehen, umso dünner wird die Luft, wie in den hohen … Wenn der alte Sommer geht weiterlesen

Auswildern

In den Städten ist kaum etwas von unserer schönen Wildnatur zu spüren. In musealen Räumen ist es ruhig und gesittet und man ist unter sich. Die Zeit der Ausstellung im frauen museum wiesbaden ist vorbei und ich merke, was für eine Kraft und Schönheit es hat, die Kunst hinauszutragen – ins Leben, in die Wälder, aufs Feld. Dorthin, wo es sich auf ganz natürliche Weise wandeln kann, wo Regen und Sturm und Vögel und Katzen mitwirken, wo Füchse an den Samenzetteln riechen und der Wind die Asche mitnimmt. Wo nachts die Rehe all die Geschichtenbänder beäugen und die Eulen mit … Auswildern weiterlesen

Der Sommer ist endlich

Wenn die Katzenmütter im alten Sommer anfangen, ihre Jungen wegzuschicken, könnten wir ganz viel von ihnen lernen.  Sie lassen ihre Jungen immer häufiger allein, um Nahrung zu suchen. Die Katzenkinder finden das genauso bitter wie viele Menschenkinder. Ich war auch sehr empört, als meine Eltern entschieden haben, dass sie mich selbständig werden lassen, weil sie an mich glauben und auch daran, dass ich nicht verhungern werde und meinen Weg gehe. Die Kätzlein sind gut vorbereitet worden. Das ist anders als bei uns. Und dennoch, wenn sie auf sich allein gestellt sind und selbstständig jagen und überleben müssen, dann gibt es … Der Sommer ist endlich weiterlesen

Katzen und Elefanten

Die Geheimnisse der Nacht verstehen und die Künste des Fliegens beherrschen, das hat mich immer schon interessiert. In den heissen Sommernächten schaue ich den Katzen zu, wenn sie wundersame Wege gehen, auf Zäunen balancieren und nebenbei Banden bilden mit welchen, die ihnen tagsüber suspekt sind. Es ist, als ob in der Nacht andere Wege rufen, andere Geschichten erzählt werden und andere Regeln gelten. Katzen, die auf der Haaresbreite unterwegs sind, entschlüsseln die Geheimnisse der Nacht. Sagen sie. Und dann sind da die Elefanten. Den Katzen ist die Farbe der Elefanten egal, wie überhaupt das Aussehen von egal wem. Auch ihr … Katzen und Elefanten weiterlesen

Lebensfelder

Es ist die Zeit des Schnitterns. Der hohe Sommer wird langsam älter, die Zeit des Erntens und Schneidens ist gekommen. Die Königin bereist ihr Land bis an die fernsten Grenzen, die Ähren küssen ihr Gewand, sie segnet sie alle mit reicher Hand. Wie golden sie stehen und glänzen. Die Quellen des Lebens fließen. Es ist ein sattes Genügen, Genießen. Die Königin reitet auf rotem Ross, hält auf der Mittagsheide, als sie die Schnitterin sieht, im wehenden Kleide. Die Sensenfrau summt eine alte Weise, sie erzählt vom letzten Ziel einer jeden Reise. Lebensfelder abgehen, die Sichel in der Hand und schauen, … Lebensfelder weiterlesen

Sommergedanken

Wenn ich in die Wolken schaue und mich an die vielen gelebten Sommer und die Reisen erinnere und wie wir damals unterwegs waren, dann staune ich und muss sehr lachen. Über Monate waren wir nicht erreichbar, kein Internet, kein Handy, kein Navi. Alles war analog, NUR analog, immer. Eine Collage aus Reisefundstücken | unterwegs vor langer Zeit in Asien auf wilden Routen und in gefährlichen Fahrzeugen Da kommt Sehnsucht auf nach damals und es hat teils was sehr Komisches, was ich mir dann wünsche – Gebrauchsanweisungen, auf denen nicht steht, dass ich die Bremsflüssigkeit nicht trinken soll – nach irgendwohin … Sommergedanken weiterlesen