Eine „DIE“-Schwalbe macht noch keinen Sprachsommer

Alltagssprache, Sprachräume. Wiesbaden, im Hotel der zwei Italienerinnen, Reisebuch – ich lese vorne den Standardsatz: Der Einfachheit halber und den Gepflogenheiten der deutschen Sprache folgend, wird die männliche Form verwendet. Gemeint sind natürlich alle. Dieser Satz ist extra für mich geschrieben. Er soll mir erklären, warum ich ab dann nicht mehr vorkomme und mich milde stimmen. Es gelingt nicht. Wir waren schon mal weiter, bewusster bei diesem Uraltthema. Also, back to the real basics. Ich fordere für mich als Frau einen sichtbaren und hörbaren Sprachraum. Ich will vorkommen. Das ist ja, wie wenn jemand sagt, fühl dich gemeint und dauernd … Eine „DIE“-Schwalbe macht noch keinen Sprachsommer weiterlesen

Etiketten und Identitäten im Kleiderschrank

Die Etiketten durchforsten, im Mantel, den Jacken, auf der Schuhsohle. Meine Etiketten, meine Identitäten. Im Kleiderschrank, im Teatro di Vida, im Seminar, im Edeka-Stehcafé, im Stall. Was steht denn da jeweils drin? Label, Etiketten, Dokumente, Pässe, Identifikationsnummern und Wörter, dieses Wer-bin-ich. Ich habe richtig gute Etikettierungen, die Vita lebt davon. Alternativ, freigeistig, bewusst, das kommt doch gut. Ich merke, die ersten bereiten schon eine Reha-Box vor für manches Wort. Alternativ in Large, small Bohèmien, XXL Indie Nation und so weiter. Ein Lieblingslabel von mir ist Universumsbürgerin. Das bin ich gerne, es ist offen und nicht so kleinkariert eng. Das muss man … Etiketten und Identitäten im Kleiderschrank weiterlesen

Was soll ich von Klassentreffen halten?

Ein Klassentreffen der Mädchen-Grundschule, zum ersten Mal. Was mache ich dort? Ein paar Entdeckungen, wie ein Geheimschriftenbüchlein, das meine alte Freundin mitbringt. Die Zeichen finde ich in meinen Bilder von heute wieder, der roten Faden. Da finde ich mich richtig gut. Dann die Sprüche aus dem Poesiealbum, eisenhart und gruselig. Erfolgreich vergessen. Meiner ist mir richtig peinlich und es ist einer der allerblödesten. Aha, ich erweitere das Bild von mir, gezwungenermaßen, auch in andere Richtungen. Ein Foto gibt es, das aussieht wie die Anfänge meiner Hippiejahre. In Ermangelung von Perücken hatte ich mir die Haare toupiert und sitze links. Merkwürdiges … Was soll ich von Klassentreffen halten? weiterlesen

Frühlingsfeuer und Hoagascht

Mit den Eselfrauen haben wir am Wochenende ein riesiges Feuer gemacht und den Winter noch einmal verabschiedet. Herbstzweige, Winterbretter, alte Zäune, Feuer besungen, den Sternenhimmel des Frühlings begrüßt, erzählt und den Duft der Frühlingsnacht eingeatmet. Es gibt da die Frauen, die nur mit Holz heizen, eine von der Feuerwehr und die Bäuerin – sie gehen viel vorsichtiger um mit dem Feuer, dem Funkenflug als Olga mAria und ich. Unser leichter Sinn, der das Feuer gut anfacht und die Vorsicht, die es gut hütet. Nach dem Feuer schauen wir zur Christa ins Wirtshaus, zum Hoagascht oder Hoagartn. Heimgarten, Besuch bekommen mit … Frühlingsfeuer und Hoagascht weiterlesen

Geschichten am Feuer

Die Feuer, die Menschen, mit denen ich an den Feuern zusammensitze, sie sind so kostbar. An den Feuern relativiert sich manches, wird gespiegelt, schaukelt sich in eine andere Leichtigkeit und eine andere Tiefe. Die Geschichten wollen ans Feuer, so wie die Lieder, das miteinander Schweigen können, das Lachen. Am Feuer werden die Geschichten gesehen, gewürdigt, genährt, manchmal gewandelt. Sie werden bezeugt. Geschichten teilen, wissen, dass meine Geschichte eine des großen Gewebes ist. Seit einigen Jahren sitze ich mit Xenia, Geseko, Inga, Tobias und Sabine im Council. Wir begleiten einander auf den großen Nomadenzügen unseres Lebens und wir spiegeln einander die … Geschichten am Feuer weiterlesen

Die Kultur der Dorfläden

Der letzte Dorfladen hier macht zu. Es gibt die Idee, dass das Dorf einen aufmacht, getragen vom Kollektiv. Gemeinsam arbeiten, der Gemeinschaft geschenkte Stunden, zusammen etwas erwirtschaften. Real funktionierender Sozialismus in Bayern? Eine Art Musterdorf für Kollektiv und tragende Gemeinschaft? Wir-Gefühl? Solche Ideen hat unser Bürgermeister. Ich wäre dabei, hätte Lust darauf. Das Miteinander und die Erfahrung wäre der Gewinn für mich. Die Dorfläden als soziale Treffpunkte. Bei uns früher, im Altai, in Kirgistan, Spanien … minimalistisch, karg und doch so reich. Und alle in Hellblau. Eloina in Spanien hatte so einen Laden. Er war Einkaufsstelle, Poststelle, Milchabholstelle, Bar, es gab Brot, das … Die Kultur der Dorfläden weiterlesen

Frühlingswind

Frühling lässt mich einen neuen Ort aufsuchen, Freiburg, Herzenskriegerin, Lesung. Ich scanne die kommende Zeit ab auf meinem Weg dorthin. Lese Ortsschilder, schaue auf Tierbegegnungen, in die Wolken … Weinberge – Grünkraut-Gullen-Knollengraben-Hotterloch … bin ich im Land der Weinzwerge? Vertrau keinem Plakat, informier dich. Wahlkamp- und Werbeplakate kann ich kaum auseinanderhalten. Ich meine, eines ist von der SPD, merke, dass es der Mediamarkt ist. CDU-Plakate verwechsle ich mit einer Versicherungswerbung. Hirschsprung-Falkensteig-Himmelriich … ah, frische Winde kommen da auf, während ich in die Ravennaschlucht fahre. Freiburg ist so bezaubernd wie alle sagen und ich finde ein altes, gehütetes Feuer vor, an dem … Frühlingswind weiterlesen

Stelen, Gold und östliche Sonne

Worte werden weniger, es entsteht eine Bilderstrecke. Wenn mir die Worte fehlen, sprechen die Bilder. Frühling – Erneuerung – die alten Stelen aus Spanien streichen – abgeblätterte Farbe – viele Winter, die ihre Spuren hinterlassen haben – Gedanken legen sich neben Krokusse – wollen schlafen im Frühlingswind – Rot angemischt – der rote Ball der östlichen Sonne schmerzhaft nah – mein Mikrokosmos – mein Platz in dieser Welt – meine Verantwortung – prüfen – malen – ordnen – Katze und Bienen Uranus, Kraft der Befreiung – wird es so sein? – Fragen manches will ich mir als Frage bewahren – … Stelen, Gold und östliche Sonne weiterlesen

Werkprozess IV – Tagesgeschehen und Weltereignisse

Parallellaufendes, mein Alltag, Katzengeschichten, Vortragsvorbereitung, Frühlingssonne und die Nachrichten über Japan, das, was sich herschwingt, was parallel geschieht an Gedanken, Gefühlen, Fragen, Antwortlosigkeit. Überprüfung von dem anderen Strang, dem Alltäglichen. Sie durchdringen sich. Der Werkprozess ist bald abgeschlossen. Jetzt ist noch einmal ganze Katzenkraft gefragt. Teachings für mich – bereits erledigte Dinge können schnell noch einmal gemacht werden müssen, „bleibe dabei ruhig und emotionslos,“ sagt Katalina und bespielt das Bild. Die Kralle ausgefahren, ein Loch im Stoff, mühsam Gebügeltes zerknautscht, im Ton des zerreißenden Stoffes ein Lied entdecken. Heile Gemeinschaften ehren alle Mitwesen in ihrer eigenen Kraft. Coyote-Lehrerin ist eine. … Werkprozess IV – Tagesgeschehen und Weltereignisse weiterlesen