Die Silberfüchsin

Mein neues Buch zum Schwarzmondfeuer ist da. Es hat sich seltsamerweise in den Sommer hinein geboren. Ich freue mich über jedes Buch, das in die Welt geht und sage DANKE. Ich werde älter und ich bin sterblich. Meine Haut wird runzlig, Falten durchziehen mein Gesicht, Silbersträhnen leuchten. Die Schönheit und Würde des Alters, wo finde ich sie?Warum nicht die Altersspuren einfach hinnehmen und den Bildern von alt und faltig meine eigenen entgegensetzen, um die Lust am Älterwerden zu nähren? Wenn der Jahrmarkt des Jugendwahns ruft, einfach nicht hingehen. Das ist heilsam!Altes Leben ist getränkt mit Lebensberührung, mit Jahren, wie altes … Die Silberfüchsin weiterlesen

Krähenkrächzen

Eine seltsame Geschichte – meine Stimme krächzt und dann ist sie ganz weg und es schleppt sich so dahin mit der Besserung. Ich mache alles und es scheint fast egal zu sein, ob ich was mache oder es lasse und auch was oder auf welchen Ebenen. Schweigen ist das einzige, das hilft. Eine kluge, junge Gefährtin sagt augenzwinkernd: „Du weist eben leibhaftig auf die Präsenz der Stille hin, die hinter all den Worten die Fäden zieht und die Welten verwebt.“Vielleicht ist es manchmal einfach so ein Satz, der es weit macht, anders, der etwas verrückt. Das macht es leicht, hineinzugehen … Krähenkrächzen weiterlesen

Schenken

Als ich mich in jungen Jahren dem patriarchalen Kunstmarkt verweigert habe, ging es viel um Kunst als Gemeingut. In mir gab es das Bild, dass wir alle das tun, was wir können, was uns leicht fällt und Freude bereitet. Ich war mir sicher, dass das Leben in unserem „Dorf“ auf diese Weise gut läuft. Damals habe ich gehört, dass es Kulturen gibt, die kein Wort für „Arbeit“ haben. Frei und willig wirken und wissen, dass es gesehen, gefragt, wertgeschätzt ist. Unseres schenken – kein Tausch, kein Verkauf. Schenkökonomie. Nun im höheren Alter will ich alte Wege neu gehen und meine … Schenken weiterlesen

Das Küchengefüge

Zu jeder Tageszeit tauchen Schattenbilder auf. Morgens ist es der Schatten von Bastet, der Katzengöttin und von Santa Muerte. Sie sind zur Frühstückszeit da und erzählen zu Beginn des Tages von Sinnlichkeit und Lebensfreude und von der allgegenwärtigen Tödin. Die Schattenblätter vom Baum vor dem Haus tanzen dazu. Es sind die Sommerschatten. Im Herbst sind sie verschwunden. Da kommt dann etwas später am Morgen der Schatten des Besens vor dem Fenster. Und im Winter werden die Küchenschatten abstrakter mit den klaren Kanten der Teekanne und den kahlen Zweigen. Gerade in Zeiten von weltengroßen Geschehnissen und Bildern überall bringen mich die … Das Küchengefüge weiterlesen

Biographie-Ritual

Alte Bilder aus jungen Jahren wieder herausgeholt. Jahrzehnte später darauf geschaut. Neubewerten. Manch Wertvolles entdecken, weil der Blick es in größere Zusammenhänge stellen kann und weite Lebensbögen überblickt. Manch anderes zurechtrücken. Über das Schwarz-Weiß von früher legt sich gold-oranger Schellack. Es wird weicher. Das Schwarz wird tiefer dadurch und der Blick auf die Ränder wird schärfer. Immer wieder der beherzte Schnitt. Die Schere schneidet scharf, wie der Blick. Ich mag auch das anschließende Papiertonnen-Ritual. Die Teile, die ich entfernt und losgelassen habe in die Tonne leeren. Dann das Geräusch, wenn ich sie auf die Straße rolle. Das, was ich nicht … Biographie-Ritual weiterlesen

Die Collage

Sie gefällt mir, sie ist wild und trashig und eine gute Sammelstelle für lose Teile, die sich neu zusammenfinden und beheimaten wollen. Sie entzieht sich, eigentlich die ganze Zeit während des Gestaltens. Sie fordert Abstand ein, um sie zu verstehen und einzutauchen in ihre Geschichte. Das intuitive Herangehen ist gefragt. Ein bisschen wie eine schamanische Mesa machen – ewig lang Teile herumschieben, ausloten, verwerfen, dranbleiben, bis es stimmig wird. Die Collage passt in unsere Zeit. Die Collage weiterlesen

Ruhezeit, Buchzeit

Für meine digitale Welt ist es gerade Winterzeit. Sie braucht Ruhe und es gibt keine Impulse, keinen Ruf. Es ist still, als läge Schnee über allem und irgendwo weit weg funkeln die Sterne. Das Frühlingserwachen kommt irgendwann. Vielleicht liegt es daran, dass ein Buch übers Altwerden, Altsein, über Ältestenschaft und alte Feuer ruft. Es ist Buchmachzeit. Sie braucht viel Feuerholz und Herzblut. Damit es sich in den Herbst hinein gebiert, schenke ich ihm alle Aufmerksamkeit, sammle, schreibe, frage, horche. Das Altfeuerbuch hat über den Winter Kraft gesammelt und jetzt im Frühling mit hellem Grün herausgespitzt. Ich nähre es, damit es … Ruhezeit, Buchzeit weiterlesen

Was es braucht

Wenn die Weisen Alten einen Rat abhalten. Die Roggenalte, Ahnfrauen, eine Alte im Blutgewand, die alte Spinnenfrau, die Stammmütter, sie alle versammeln sich ums Feuer. Die Wanderalte spürt in die Nacht hinaus. Sie beginnen zu beratschlagen. Darüber, was es für Auswirkungen hat, wenn die Alten nicht mehr geehrt werden, wenn niemand mehr was vom Schenken versteht und Frieden ein Projekt im Kopf bleibt, wenn das Wissen um Würde verlorengeht und überhaupt über diese Zeit mit all den schwierigen Wegen und Zerwürfnissen. Jetzt sei es endgültig genug, befinden sie einstimmig. Sie beschließen, dass es an der Zeit ist, Feuer zu entzünden, … Was es braucht weiterlesen

Imaginieren

Bilder, Worte, Wörter und Geschichten sammeln. Welche, die helfen, innere Räume von Weite und Freiheit und Kraft zu entfalten. Zum Altwerden beispielsweise. Es wird den Weg breiter und leichter machen, wenn wir Altfeuerland imaginieren mit Bildern, die etwas verheissen, die funkeln und etwas bereithalten, auf das wir uns freuen können. Das, was erzählt wird, dient nicht dem lustvollen Aufbrechen ans alte Feuer. Es braucht vollkommen andere, teils uralte und auch ganz neue Geschichten, was uns dort erwarten wird.Wie die aus China, von der Herdgöttin im roten Gewand. Sie ist alt und wunderschön. Oder die von den alten Scheibenwelthexen. Oder selbst … Imaginieren weiterlesen

Analog

Immer wieder lande ich im digitalen Wahnsinn bei irgendeiner notwendigen Umstellung oder Beantragung. Dann reicht kein Hochschulstudium, keine digitale Kompetenz, nix. Dann spüre ich wirklich sowas wie Wahnsinn, Überkontrolle, absurde Valentinesken und komme mir vor wie in einem Kafka-Roman, so einer Art absurdem Alptraum. Es muss das Recht geben, nicht digital unterwegs zu sein UND Teil der Gesellschaft. Ich will ohne Handy und Rechner und ohne Kreditkarten am Leben teilhaben können. Ich gehe für die analogen Wege, auch wenn sie nicht zeitgemäß scheinen und obwohl ich digital halbwegs gut unterwegs bin. Ich will die Wahl haben, immer. Es verknüpft sich … Analog weiterlesen