Die Qualität der Jahreszeiten

Die Herbst- und Winterkraft erforschen. Ich finde, dass Herbst, der noch vier Tage dauert, die in unserer Gesellschaft am wenigsten gelebte Jahreszeitenqualität ist. Ich verstehe das erst langsam in einer Tiefenschicht. Schneekatastrophenmeldungen, weil alles scheinbar immer im Sommertempo weitergehen muss. Sondersendungen zum Schnee – wer konnte es ahnen, dass es im Dezember schneit und kalt wird. Winterequipment wird Mangelware – da staunt die Marketingstrategie in mir, wie kann denn sowas passieren, wo doch von jedem Unsinnsteil zig Varianten in unendlicher Zahl produziert werden. Und dann sind die Schneeschaufeln zu Winterbeginn bereits aus? Ich schaue mit der Katze zum Fenster raus, … Die Qualität der Jahreszeiten weiterlesen

Die Kompliziertheit des Alltäglichen

Steuer, Passbeantragung, Supermarkt, Flugbuchung … ich finde gerade die alltäglichen Dinge, die ich tun muss ziemlich kompliziert. Trotz meiner Studiertheit komme ich mir total blöd vor – eine, die nichts kapiert – alle anderen wohl schon, denn sonst wäre das Prozedere doch längst umgeändert worden. Oder sollen wir uns unzulänglich fühlen, damit die Spezialisten mehr Macht haben? Ich schaffe es nicht, digital Einbuchungen zu machen, lade seit zwei Tagen vergeblich ein Fotobuch hoch, verbringe lange Wartezeit auf der Gemeinde, weil meine Fingerabdrücke das Netzwerk zusammenbrechen lassen. Wie schaffe ich es, die Flaschen in den Rücknahmebehälter zu bekommen? Wie gelange ich … Die Kompliziertheit des Alltäglichen weiterlesen

Korea – Schamaninhaus

Die Jahresnachlese beginnt für mich. Dazu gehört die Reise nach Korea, die Zeit im Schamaninhaus von Kim Keum Hwa. Nach den Maoriheilerinnen waren die koreanischen Schamaninnen (Mudang) welche, die ich in gemeinschaftlichen Heilzeremonien erlebt habe. Das hat eine alte Sehnsucht, eine Erinnerung gebracht. Und es war Inspiration, mit den Frauen an meinen Feuern zusammen noch mehr und tiefer Ritualperformances zu konzipieren und umzusetzen. Im Schamaninhaus habe ich getanzt, getrommelt, die Fülle genossen, das kraftvolle Selbstverständnis der Mudangs eingeatmet, Heilrituale bezeugt, mich forttragen lassen von den stundenlangen Gesängen, der Flöte, den Trommelrhythmen. Die Bilder sind von Susanne Bayer, wunderbare Reisegefährtin und … Korea – Schamaninhaus weiterlesen

Das Boot der Klänge

Alles ist tief verschneit, Winter macht die Wege gefährlicher, schwieriger und ich ziehe mich zurück ans stille Feuer. Ich besteige ein Boot, das zu unserer Muttersprache gehört, das Klangboot, das die Gesänge, die Töne hat, die in andere Ebenen tragen, weit hinaus ins Nagual. Das Boot des Klanges ist bei mir ein beschädigtes Boot gewesen, weil meine Stimme nicht den Anforderungen schulischer Normen genügt hat. In Sibirien durfte etwas davon heilen, weil ich erlebt habe, dass sich die Menschen freuen, wenn ihnen jemand ein Lied schenkt, unabhängig davon wie die Stimme ist. Es ist gewürdigt worden und das hat mir … Das Boot der Klänge weiterlesen

Die neue Maske

Während der Maskenzeit ist eine Tiermaske entstanden – Hirschmädchen, Rehfrau, eine, die sich wandelt. Manchmal sieht sie aus wie eine Wölfin, dann wie ein Büffel, vor allem im Schattenbild, Füchsin … sie zeichnet sich aus durch das leicht Flüchtige, Geisterhafte, Wandelhafte. Ihre Medizin – sie ist unterwegs auf Geisterpfaden, sie folgt ihren Routen, wie die Zugvögel, wie eine Nomadin, sie scheint dabei auf besonderen Wegen zu gehen, den Dreamlines, Drachenlinien, den alten Rentierrouten, Leylines, Geisterwegen. Es passt zu meiner Entscheidung, im kommenden Jahr sowas wie ein Sabbatical zu machen. Seminare, Lesungen werde ich machen, etwas weniger als sonst und mich … Die neue Maske weiterlesen

Maskenzeit

Seit einigen Jahren treffe ich mich einmal im Jahr mit Frauen zur Maskenzeit. Heute Abend sitzen wir wieder am Feuer, mit allen alten Masken, erzählen von ihnen, von uns, vom Jahr. Eine neue Maske wird in die Nacht hinein entstehen. Vorher gehen wir an den Küstensaum und warten darauf, dass jemand mit einem Boot aus den Weiten des Nagual kommt, übers Meer gefahren und uns die neue Maske bringt, vielleicht schon etwas von ihrer Medizin erahnen lässt. Aus Ton wird sie gebaut, blind, begleitet von Trommelfrauen. Dieses Mal gab es keine Träume, keine Bilder im Vorfeld. Freies, leeres Feld. Es … Maskenzeit weiterlesen

Lebensrad – Norden

Es kommen kaum mehr mails, meine Winterfeuer brennen. Ich schaue lange ins weiße Land, alles ist so hell, gehe nachts mit meiner Katze im Schnee spazieren, horche auf die Stille und koste etwas von der Winterweisheit. Im verschneiten Wald sitzen, Eichelhäher und Grünspecht am Vogelhaus beobachten, wissen, dass die Igel unterm Laub und Holz am Haus schlafen. Den Winter zu hüten, das ist richtig Arbeit gewesen. Und ich höre genau hin – als Forscherin – wenn von zunehmendem Weihnachtsstress und Anstrengung, erhöhter Taktfrequenz was Emotionen betrifft, Unruhe, Druck etc. die Rede ist. So fühlt es sich an, wenn Süden im … Lebensrad – Norden weiterlesen

Novemberfeuer

Mit Freundinnen ein Novemberfeuer gemacht am See. Es hat Schnee bei uns in Bayern, die Sonne schien milchig durch die Wolken. Nachmittagsstille, Reiher, Schwärme von Vögeln, verschiedene Hölzer im Feuer. Ein paar Geschichten, miteinander schweigen, weil wir uns schon so lange kennen und es aushalten einfach miteinander zu sein, ohne Worte. Und in der ganzen Zeit haben wir getrocknete Blüten, Kräuter, gedörrte Äpfel ins Feuer geworfen. Blütenblätter lagen um das Feuer, helles Grün, es hat geknistert, geduftet. Minze, Salbei, Rosenduft, ein Gänseblümchen, Artemisia, Toscanakräuter, ein Stauß aus der Ile-de-France, bayrische Hausgartenkräuter und Wildgewachsenes, Erinnerungen, Lachen, Summen … Hände voller Sommerduft und … Novemberfeuer weiterlesen

Die ungeschriebenen Bücher – projektfreie Zone

Es gab eine neue Buchidee, geplant war, damit in diesem Winter zu beginnen. Ich habe das Projekt sterben lassen und verstanden, dass es neben den geschriebenen und veröffentlichten Büchern auch die ungeschriebenen gibt. Gute Ideen, beflügelt sein, fast greifbar schon, bebrütet, sie lange mitgetragen in mir und dennoch, es wird sie nicht geben. Diesen Herbst habe ich einen Rosenbusch betrachtet. Eine kleine Blüte war noch da, halb geschlossen, wunderschön, mit dem ganzen Potenzial, eine prächtige, große Rose zu sein, ganz entfaltet und duftend. Es war zu spät im Herbst, zu wenig Sonne, um noch aufzublühen. Das ist Herbst, er hat … Die ungeschriebenen Bücher – projektfreie Zone weiterlesen

Council

Seit einigen Jahren sitze ich mit FreundInnen um ein Feuer im Council. Wir gehen mit den traditionellen Council-Regeln, vom Herzen sprechen, vom Herzen zuhören. Wir sprechen mit einem Redestab, begleiten unsere Geschichten über die Jahre in die Tiefe, lassen uns berühren von den Schritten der anderen und spiegeln einander das, was wir gehört haben. Manche Spiegel trage ich über lange Zeiträume mit, sie sind Lebensteil geworden. Meine Geschichte im Spiegel sehen, hören, hat mich vieles neu sehen, manches erst verstehen lassen oder auch Frieden mit etwas schliessen lassen. Das erste Council-Buch in Deutsch ist eben erschienen, eine sehr gute Arbeit … Council weiterlesen