Die Geschehnisse dieser Tage

Japan. Manches macht mich erstmal sprachlos. Ich sehe die Bilder, nehme Worte auf und begreife all das nur oberflächlich. Es sickert tiefer und wie jetzt, bei dieser weiteren Katastrophe unserer Weltengemeinschaft, merke ich, dass es größere Zusammenhänge gibt, komplexere, die das übersteigen, was ich sonst so sicher aufnehmen und einordnen kann. Ich nehme es wahr und dennoch begreife ich es nicht, nicht in einem ganz tiefen Fühlen und Verstehen. Joanna Macys Arbeit ist mir dabei sehr wichtig. Eine Arbeit, die wieder verbindet. Ich erlaube den Bildern und dem, was ich aufnehme, sich auszubreiten in mir. Ich wage es wirklich hinzuspüren. … Die Geschehnisse dieser Tage weiterlesen

Créme Vital, Pesto Mental, ein Kilo Ichwert

Einkauf – Produkte, Werbesprüche. Endlose Regale und dreißig Sorten Essiggurken. Ich brauche nur eine. Vielzahl macht Einkauf kompliziert. Heimlich fotografieren, weil es eigentlich nicht erlaubt ist. Was brauche ich? Was will ich eigentlich erwerben? Einen Liter reine Glückseligkeit am besten, die so schmeckt wie Prosecco. Wo sind die Fallen? Wieviel brauche ich wirklich? Was wandert in den Wagen, nur weil es mir was Besonderes verspricht? Was muss es mir versprechen, damit es in meinen Wagen wandert? Erfolgszwiebeln oder Alltagsweichspüler im Sparpack, Schönheitsjoghurt oder das Schlechte-Gewissen-Tilgungspaket, dieses Ich-tu-ja-was-und-bin-so bewusst-Produkt, um das Ich-tu-zu-wenig, Ich-sollte-müsste zu vertreiben. Diese Produktreihe finde ich dann im … Créme Vital, Pesto Mental, ein Kilo Ichwert weiterlesen

Blog wird Buch

Der Blog wird zu Papier gebracht. Wahrscheinlich weil ich konservativ bin, was meine Arbeit betrifft. Es gibt die Originale, die Postkarten-Collagen, ich drucke die Texte aus und halte gerne was in Händen. Ich mag Papier, Struktur, Befühlen, Hören. Also alles gepackt und ins Nachbardorf zu einer Freundin, Sabine Moosmüller, in die Werkstatt der Buchbindemeisterin. Die, mit der ich jeden Mittwoch zur Christa in die Wirtschaft gehe. Nach zwei Monaten Meditation im Zenkloster ist Sabine endlich wieder da. Ich habe bis jetzt ohne ihre fachkundige Unterstützung geklebt, gefaltet, geschnitten. Frei Hand. „Hm,“ sagt sie, „das hört sich nach Pfusch an, aus Handwerkerinnensicht. … Blog wird Buch weiterlesen

Ich gebe meine Stimme frei

Meine Stimme – ich habe sie wiedergefunden. Als Kind war sie noch verbunden mit anderen Welten und sie war frei. Damals habe ich gerne gesungen, tiefe, seltsame Töne von mir gegeben, stundenlang. Dabei habe ich riesige Flächen mit Zeichenteppichen überzogen, mich in Trance gesungen, geschaukelt, den Linien Klänge gegeben und alles knarzend benannt, was ich tue. Bewegung, Klang, Bild – alles war noch miteinander verknüpft. Die Kunst der Kindertage, die von einem heilen Ausdruck erzählt. Was ist dann passiert? Bildungsstätten, vereinbarte Codes erlernen müssen. Intellekt war gefragt, rationaler Zwang. Mein Singen wurde beschämt, Zweifel an meiner Stimme kamen auf und … Ich gebe meine Stimme frei weiterlesen

Die Clownin

Der Fasching ist vorbei und die Clowninkraft erwacht wieder. Eine alte Angelegenheit – meine arme feierfreudige Mutter hatte mit uns Faschingsmuffelkindern ihre liebe Not. Verkleidet standen wir da, ernste Gesichter, Trauerfotos, sie in Tanz- und Champagnerlaune. Hat sich da eine Gegenteilskraft gemeldet? Ein Contrary-Geist? Die Clowns im Zirkus – ich fand bei ihnen vieles, nur nicht, dass sie lustig sind. So wie Witze. Ich finde, dass unsere Gesellschaft keinen wirklichen Humor hat. Vielleicht braucht sie deshalb so viele Comedysendungen und Lachdosen. Auf Beerdigungen habe ich gerne gelacht als Kind, heiliger Ernst, unheiliges Lachen, das war nicht besonders salonfähig. Meine Mutter … Die Clownin weiterlesen

Blumen für dich zum internationalen Frauentag

Gratuliere, Blumen und Lustvolles, Erlesenes und ein Lied für dich zum internationalen Frauentag. Heute ist unser Tag, mögen wir verbunden sein mit unserer Kreativität, zutiefst in unserer Eigenmacht, unser Geburtsrecht einfordernd und solidarisch im Miteinander. Mögen wir für das freie, selbstbestimmte Leben aller Frauen auf der Welt mutig eintreten. So klingen die mails zum 8. März, die ich aus Russland bekomme. Das erste Mal war ich völlig überrascht ob der Wichtigkeit dieses Tages in Russland. Die Frauen schreiben sich, gratulieren sich, beschenken sich. Happy Women’s Day to you, great woman and great friend! WE in Russia have 3 days off this year, … Blumen für dich zum internationalen Frauentag weiterlesen

Council und Herzenskriegerin

Die ersten Tage im Jahr auf Reisen, in der Schweiz, zur Herzenskriegerin. Die Aussenwege eingeläutet mit einem Council. Die Nächte sind noch kalt, auch wenn das Feuer im Tipi kräftig ist. Der Redestab ist aus seiner Höhle gekommen, Geschichten haben sich ins Feuer erzählt, in Worten, im Gesang, im Schweigen. Sätze ins Feuer legen – ich übernehme die Verantwortung für meine Worte, die Anerkennung gebührt dem Kreis – das Schweigen ist so willkommen wie die Worte – im Council ist alles heilig, meine Freude, meine Wut, meine Antwortlosigkeit … Dem Lied des Feuers lauschen, den Atem sehen und am nächsten … Council und Herzenskriegerin weiterlesen

Frühlingsaufbruch

Seit zwei Tagen ist meteorologischer Frühling. Ich hinke ihm zwei Tage hinterher und weil ich es jetzt auch spüre, verabschiede ich mich von meinem Winterbild. Morgen breche ich auf, zum ersten Mal seit vier Monaten. Es zeigt sich, ob ich meinen Winter wirklich im Geist des Winters gelebt habe. So wie die Schneeglöckchen und Krokusse, stecke ich meinen Kopf heraus. Ich glaube, die Wurzelkraft ist stark – voller Freude packe ich, es ist fast wie der Aufbruch aus den Winterlagern, mit dem Blick in die Berge hinauf zu Dschailoo, den nomadischen Frühlings- und Sommerlagern. Noch ist es ein langer Weg … Frühlingsaufbruch weiterlesen

Die Notenge lachend weiten

Wenn ich wo anstehe, es eng wird und ich keine Lösung finde, wie Steuergedankenwürmer zum Beispiel, dann frage ich eine Freundin. Eine, die kundig ist bei dem Thema oder eine, von der ich weiß, dass sie die Medizin des Lachens kennt. Wie Luisa vorgestern. Da merke ich, wie mächtig das Lachen ist. Wenn es eine schafft, mich in meine Erstarrung und meinen Gedankenwurm hinein lachen zu lassen, dann sprengt das die Panik, die Gedankenenge, alles eigentlich. Es  ist der Austausch, das Drüberreden, Teilen von Erfahrungen, in die klaren Spiegel meiner Geschichten schauen, den Horizont weiten und eben in diese Geschichten … Die Notenge lachend weiten weiterlesen

Wenn die Zeit verfliegt

Auf dem Weg nach München – ein Hermelin – fast wie ein Suchbild – hält Zwiesprache mit mir – springt über die Rauhreifwiesen, Morgennebel, Sonnenstrahlen – seltsam zaubrische Bilder … und Wundersames – Luisa treffen im Tambosi – Zeit verschiebt sich, verfliegt, verwischt, Geschichten tanzen sich zu Rühreiern und Lachen flicht sich ins Muster unserer Königinnenstühle. Der Duft bunter Geschichten hängt in meinem Haar, beflügelt zum Zug geschlendert, mit guter Medizin und leichtem Sinn in der Handtasche. Wenn die Zeit verfliegt weiterlesen