Zwei Trommeln und das Heilige

Aus dem Altai habe ich eine ganz besondere Trommel mitgebracht, sie ist so eigen und geheimnisvoll, so superheilig und schön und besonders und und und – und sie hat ein paar kleine Nachteile, sie reagiert auf minimale Luftfeuchtigkeit und hängt dann wie ein nasses Handtuch rum und so hört sie sich dann auch an. Wie im Moment bei dem rauhen Wildwetter. Groß ist sie und schwer und sie ist reiseunlustig. Weil ich auf die Trommelfaxen jetzt keine Lust mehr habe, gibt es eine zusätzliche. Eine aus Plastik, Vollplastik. Sie sollte eine Nebenbeisicherheitstrommel sein. Ohne weitere Ansprüche. Dann kam sie. Groß … Zwei Trommeln und das Heilige weiterlesen

Begegnungszeit in der Sperrmüll-Lounge

Bei Carmen Hauptmann und Menni Bachauer, ganz alten Freunden, in der Galerie Webams. Über zwanzig Jahre Künstlerweg verbindet uns, gemeinsame Ausstellungen, viele Lesungen und Performances, die ich dort gemacht habe. Mennis Skulpturen anschauen, das Überraschungskonzert von beiden geniessen, Erinnerungen, Begegnungen an einem meiner ganz wichtigen künstlerischen Wurzelorte. Dort hat viel angefangen. Wie schön, dass sich die Galerietüren nach einer längeren Pause wieder geöffnet haben und einmal im Monat in der Sperrmüll-Lounge – die alles andere als so aussieht – ein Kunst- und Ratschtreff möglich ist. Begegnungszeit in der Sperrmüll-Lounge weiterlesen

Die Schwelle, Übergangsort, Geisterort

Heute ist ein Tag, an dem ich Schwellen wahrnehmen. An der Haustüre, den Fenstern, Übergänge. Ich beginne, sie zu fegen, die Zeichen zu erneuern, darauf zu spucken, mit der Katze einfach auf der Schwelle verweilen. Ich räuchere die Schwellen, bei manchen stelle ich ein Salzschälchen hin. Wünsche darüber gesprochen – dass alles, was über diese Schwellen hin- und hergeht, was von mir in die Welt geht und was zu mir kommt, nährend ist und mit einem friedvollen Geist, einem weiten, freien, großzügigen kommt und geht. Dass die Freude Begleiterin ist und manches mehr. Manche Schwellen sind längst überfällig, was das … Die Schwelle, Übergangsort, Geisterort weiterlesen

Wie gehe ich durch eine Ausstellung?

Ein Ferientag mit Inga und Christine. Wir fahren mit dem Zug nach Rosenheim in den Lokschuppen zur Ausstellung über American Natives und die First Nations (Kanada). Vor langer Zeit haben wir eine interessante Weise entwickelt, wie wir durch Ausstellungen gehen. Zuerst geht jede alleine, schaut sich alles in ihrer Zeit an, bleibt da stehen, wo es sie hinzieht. Sie hat die anderen immer in Gedanken dabei. Jede schaut für sich und für jede andere, wo es eine besondere Resonanz gibt. Im Café tauschen wir uns aus und gehen dann nochmal gemeinsam durch. Dann zeigen wir uns die Teile, Fotos, Szenen, … Wie gehe ich durch eine Ausstellung? weiterlesen

Traumschachtel

Der Postbote bringt mir manchmal ganz Aussergewöhnliches. Eine Schachtel zum Träumen und Spielen mit Fundstücken von der Nordsee zum Beispiel. Es ist eine Überraschungsschachtel mit Steinen, Federn, Strandgut, zwei Flaschen – die eine mit Meerwasser und die andere mit Nordostwind. Der hohe Norden weht und spielt sich jetzt hier in meinen Südgarten. Sommer, Spielen, Südmädchen. Einmal hat jemand gesagt, ich kann es mir nicht leisten zu spielen. Ich finde, ich kann es mir nicht leisten nicht zu spielen. Das ist bestes Brennholz für die Winterfeuer. Es braucht jetzt die langen Tage, um dem Üppigen genug Raum zu geben. Alles wuchert, … Traumschachtel weiterlesen

Alltagslied – Heiliglied

Weitergesponnene Grenzverwischung. Im Schmarrnbuch beschreibe ich eine stinklangweilige Situation bis ins kleinste Detail. Eine Stunde Wartezimmer. Ich beginne vor allem die Geräusche wahrzunehmen und zu beschreiben, weil für´s Auge nichts geboten ist. Klingelton, die Stille der Leute, Räuspern. Geräusch vom Umblättern der Zeitschriften. Schuhe, tok, tok, tok, draussen Autogeräusche. Rattanstühle, die nicht knarzen. Durchsage – Frau XY, bitte Wartezimmer zwei. Dezentes Plop der Glastüre. Ich höre ein Alltagslied. Es trägt mich auf einmal fort, die Geräusche lassen mich in seltsame Gefilde reisen, Zeit verschwimmt. Tut, Tut, Klingelton, Stöckelschuh, Klack, Handtaschen-Zipp, Tastatur, Klingel, Mülltonnenrattern, sechsmal über den Hof, Plop, Schneuzen, Wasserspenderblubbern, rrrit, … Alltagslied – Heiliglied weiterlesen

Ich bin schön und selbstbewusst

Sagt Katalina. Viele Tiere begleiten meinen Lebensweg. Welche, die bei uns gelebt haben, leben, Nachbarstiere, Wildtiere, Dorftiere. Mit vielen von ihnen bin ich befreundet. Das Bild, dass Tiere uns bedingungslos lieben, dass sie nichts fordern, für uns da sind und so weiter, das stimmt sowas von überhaupt nicht. Ich schreibe das heute, weil ich den Tanz auf meiner Nase nur blöd finde. Es ist genau andersrum, sie sind in Windeseile beleidigt, wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich vorstellen. Sie sind klein und brauchen die ganze Couch, knatschen rum, wenn man sich dazulegen will. Ausser als Unterlage, so … Ich bin schön und selbstbewusst weiterlesen

Bilder von mir – Selbstbilder, Fremdbilder

Bilder über mich, von mir, eigene, fremde. Ich klopfe sie gerade ab, weil ich mich als nicht besonders salonfähig finde. Anlass – ein Geburtstagsfest. Neben meiner Silvestermuffeligkeit mag ich auch so keine Feste. Keine Mittelfeste. Zu viert im vertrauten Kreis ist schön für mich und ich liebe Rave Parties mit hundert und mehr Leuten. Ein Problem ist das Dazwischen. Höchster Unlustfaktor. Was tun. Tief durchatmen und sagen, dass ich keine Frau für Mittelfeste bin. Mein Umfeld informieren, Klartext reden. Sie werden es überleben. Und, nicht hingehen, wenn es mir nicht gefällt. Sehr befreiend finde ich, mir zu erlauben, eine schwierige … Bilder von mir – Selbstbilder, Fremdbilder weiterlesen

Lirum Larum Löffelstiel

Ein Strich, ein Kreis, ein Löffel sei´s. Ein Kochlöffel, ein Suppenlöffel, ein kleiner, ein großer, ein Aschelöffel, ein Löffel mit Löchern. Das ist dann ein Sieb. Einbrocken, auslöffeln, schöpfen – da geht der Löffel Richtung Kelle. Löffel sind steinzeitalt. Die Löffelmulde wurde aus dem Holz mit Kohle ausgeglüht. Löffel waren wesentliches Essgerät von der Geburt bis zum Tod. Da gebe ich dann meinen Löffel ab. Sie gehörten immer schon zum magischen Handwerk, zum Zauber, zum Schutz, zum Orakel. Ich habe viel zu viele Löffel. Wahrscheinlich habe ich von allem zu viel. Würde ich meine Löffel selber herstellen – schnitzen, schmieden … Lirum Larum Löffelstiel weiterlesen