Kunterbuntes

Fasching war noch nie meins. Meine Konfetti sind aus dem Bürolocher und in Faschingszeiten glänze ich durch Humorlosigkeit. Es ist halt so. Ich bin damit fünfzig Jahre alt geworden und werde es wohl nicht mehr ändern. In Zeiten völliger Humorlosigkeit fahre ich am besten in ein Möbelhaus und kaufe einen neuen Schreibtisch oder sowas. Essensschälchen für Katalina gehen auch. Oder ich setze mich ins Edeka-Stehcafé und knatsche mit den ganz wilden Bauern zusammen über Politik und weitere Betrübnis erregende Angelegenheiten. Ich könnte meine Humorlosigkeit auch rituell tanzen, meistens fehlt mir aber genau dazu die Portion Witz, die nötig ist. Katalina … Kunterbuntes weiterlesen

Tänze und Lebensräume

Während ich meine Spuren im Neuschnee ziehe, lasse ich die Gedanken fliegen. Die Skier gleiten gut durch den Schnee, ich kann endlich von der Haustüre losfahren. Gedanken zu Lebensräumen. Wir werden in jedem unserer Lebensräume Filme machen, in Meas schöner Bauernhausküche, in meiner neuen Einbauküche, in Ingas kleinem Stadthaus. Unsere Lebensräume sind sehr verschieden und überall ist es möglich zu tanzen, den Alltag zu bezaubern, neugierig und schräg, sinnlich oder stürmisch die Lebendigkeit in allem zu erfahren, das Leben zu feiern. Es geht auf dem Land, in einer kleinen Stadtwohnung, auf Holz, Fliesen oder Linoleum. Ich tanze heute zwischen Geschirrspüler und … Tänze und Lebensräume weiterlesen

Eisduft

Der Februar ist bilderreich und winterintensiv. Ich rieche Eis und schmecke Schnee. Manchmal schmeckt der Schnee metallen. Katalina riecht ganz eigen nach Winter, wenn sie von Draussen kommt. Der Eglsee ist zugefroren und deshalb hat unser Dorf eine Eisdisco veranstaltet. Heiße Getränke, Schlittschuhlaufen zur wild gemixten Musik, Dorfratsch. Mich durch den Winter bewegen, auf Skiern und Schlittschuhen, tanzend, in Zeitlupe, wirbelnd mit riesigen Schuhen aus Alaska, feixend und dann wieder ganz still. Bunt ist der Februar und sehr weiß. Eisduft weiterlesen

Viehräucherung und Küchenzauber

Mein Stall samt Vieh ist geräuchert. Es ist das Bilder- und Bücherlager samt Bewohnern. Jetzt ist alles bereitet für die neuen Bücher. Es ist ein großes Glück, dass meine uralten Freundinnen Mea und Inga Performancekünstlerinnen sind. Alle Performances machen wir zusammen, gestern in Meas Küche. Butoh, Suppenzauber,  Tiefe und Alltag getanzt. Es war ein Filmtag fürs Museum. Keine von uns kann filmen, schneiden auch nicht. Egal. Wir haben auch schon Tonaufnahmen mit einem alten Kasettenrecorder gemacht wie zu Fluxuszeiten. Da hole ich gerne einen geschenkten Satz hervor. Alle sagten, das geht nicht, eine wusste das nicht und hat es einfach … Viehräucherung und Küchenzauber weiterlesen

Innenreinigung

Die Jahresfeste, wie Brigid–Lichtmess sind für mich mittlerweile Zeiträume geworden. Die Brigidzeit ist eine wichtige Innenreinigungszeit. Zum Kühlschrank abtauen beispielsweise. Während innen alles leer wird, ausgewischt, beleuchtet, geräuchert, hütet die Kälte draussen das Essen. Die Filze und Wolldecken waren drei Tage und Nächte draussen, während ich innen die Stellen darunter gereinigt habe. Es ist eine gute Zeit, Gegenstände, die ich mir angeschafft habe, zu warten, zu reinigen. Es gibt Etliches, das gewartet werden will. Mir Zeit nehmen dafür, spüren wie wenig das Warten von Dingen üblich ist in unserer Austauschkonsumierbeliebigkeitsgesellschaft. Es ist aufwändig. Es zollt den Dingen, den Ressourcen, den … Innenreinigung weiterlesen

Winterbilder

Dem eisigen Winter zollen die Leute hier großen Respekt. Die Alten vom Dorf sind froh, „gut so,“ sagen sie,“es braucht die Kälte.“ Man weiß damit umzugehen. Die Wildtiere werden unterstützt, Vögel, Scheunenkatzen, Greifvögel. Die Filze auf der Bank vor dem Haus werden von den wilden Katzen aufgesucht, die anderen machen keinen Schritt vor die Haustüre. Buntspecht, Gimpel und die Meisen sind zum ersten Mal in diesem milden Winter Gäste. Ich rücke näher an den Ofen und suche in den unbewohnten Häusern Eisblumen. Innenreinigungszeit, Vorbereitung für den Frühlingsaufbruch. Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Dorfweiher. Erinnerungen an Julika, die mich immer gelockt hat, … Winterbilder weiterlesen

Was ist wirklich wirklich?

Mit Worten rufe ich, was ich einladen will. Und manchmal macht es einfach Spaß, Geschichten zu erfinden. Das erfrischt mich gerade so, wie im Sommer das Schmarrnbuch machen. Weil Facebook mir nicht glaubt, dass ich 104 Jahre alt bin – das ist das älteste, was man eingeben kann – muss ich ein Bild malen. Das mit dem Alter ist dann auch schon egal. Neue Identitäten, neue Blicke. Vielleicht ist es letztlich wahrer und stimmiger als das, was in Urkunden und Pässen steht. Ich möchte auf dem Passamt mal gefragt werden, wie mein gefühltes Alter ist und wo ich mich am … Was ist wirklich wirklich? weiterlesen

Brigid in den Bergen

Brigid – Lichtmess auf der Hütte in den Bergen gefeiert mit Ulla und Miri. Bekräftigt, was uns wichtig ist, durch das Tor geschickt, aufs Lichtschiff gesetzt, wofür wir gehen wollen. Beim Hollerbusch im Schnee drei Kerzen, ein weißes Süppchen dazugestellt, eine Teeblume bestaunt, gelacht, geteilt, gefeiert. Gabriele, eine Freundin aus dem Havelland erzählt, dass ihre Kühe jetzt zu Lichtmess anfangen zu kalben und sie erinnert mich daran, dass es eine gute Zeit ist, Filze und Wolle zur Mottenverabschiedung in die klirrende Kälte zu hängen. Brigid in den Bergen weiterlesen

Ich erfinde mich neu

Was und wieviel gebe ich von mir preis. Wer macht was mit diesen Informationen. Ich erkunde seit Jahresbeginn Facebook. So habe ich vor eineinhalb Jahren auch mit dem Blog angefangen. Ich will verstehen was es macht, welches Feld das ist. Facebook konnte ich von aussen nicht verstehen, genauso wie Blogschreiben. Rätselhafte Länder. Deshalb bereise ich sie. Die Chronik oder Timeline von Facebook hat mich an ein Thema erinnert, das ich mal mit meinen Studierenden gemacht habe. Eine Person aus dem Bereich der Kunst sollte erfunden werden, mit Namen, Lebenslauf und Inhalten. Es gab wilde Fotocollagen, witzige und tragische Leben, verkannte … Ich erfinde mich neu weiterlesen

Wintergeist

Meine Winterartikel sind ganz anders als die Sommergeschichten, fällt mir auf. Als wollte jetzt viel mehr in der Tiefe ergründet werden. Das bringt es wohl mit sich, wenn ich mich in den Jahreszeiten beheimate. Ich schicke fehlerhafte Daten nach Riga, dann schreibe ich dauernd Estland statt Lettland, auch im Impressum. Vielleicht will ich eigentlich nach Tallinn, da hat es mich schon öfter hingezogen. Dann vergrößert sich gerade das kleine Loch des ?Und-was-mache-ich jetzt?. Ich lausche den Geschichten um mich herum, die von einer Soll- bis Mussproduktivität erzählen oder vom Pflicht-Flow, vom Machbarkeitswahn und den Ansprüchen. Wintergeist wird gerade da sperrig, … Wintergeist weiterlesen