Altäre und Reisevorbereitung

Von den Nomadinnen habe ich das Reisevorbereiten mitgebracht. „Vielleicht kommst du nicht mehr wieder, also verabschiede dich gut.“ Und so gehe ich durchs Haus, nehme mir Zeit für Gustav und Katalina und lege Blumen und Speisen auf die Altäre. Möge meine kleine Reise eine behütete sein. Am liebsten komme ich wieder und die Mülleimer sind leer, alles gesaugt, der Schreibtisch aufgeräumt und bereiteter Raum für Neues. Das heißt, mir Zeit nehmen vor der Reise und alles so richten, dass ich genau das vorfinde bei meiner Rückkehr. Dieses Mal gelingt es nicht so recht. Ein bisschen rumgehudelt, riesige Menge wegen der Frühjahrsausstellung … Altäre und Reisevorbereitung weiterlesen

Müllthematik Teil II

Am Donnerstag breche ich auf nach Wiesbaden zum großen Jahresabschluss meiner Aussenarbeit. Und weil ich vor Reisen gerne den Müll entsorge, geht das Entsorgungsthema noch weiter. Abfalleimer, Grünkübel, Leergutabteilung, Katzenklo im Freien … Für alles habe ich Entsorgungsbehältnisse, auch Katalina wählt einen Streifen im Garten für ihre Toilette. Klug von ihr, weil unsere Ausscheidungen ja in die Erde gehören und nicht ins Wasser. „Das zum Thema Intelligenz,“ sagt sie. „Beste Verwertung und schnelle Umwandlung.“ Aber das ist ein eigenes Thema. Zurück zum Abfall. Wohin mit inneren Altlasten, feinstofflichem Müll oder Ähnlichem? Ich erinnere mich an eine alte Tonfigur, die ich vor langer … Müllthematik Teil II weiterlesen

Herbstliche Sortiergedanken am Mülleimer

Auf dem Weg durchs Dorf, in die Herbstgedanken hinein, betrachte ich Abfälle, sehe weggeworfene volle Mülltüten, Laub, Kompost. Es nimmt zu, dass Leute ihren Müll wieder in den Wald werfen. Diesmal liegt eine Tüte in der Wiese neben unserem Haus und so fällt sie in meinen Zuständigkeitsbereich. Ich entsorge also den Müll der anderen, denen die Müllgebühren zu hoch sind – Auto haben sie ja anscheinend noch – und übernehme die Verantwortung. Die Detektivin in mir macht den Müll auf und sucht nach Identifikationsteilen. Wehe, wenn ich was finde. Dann gibt es Zwangsteachings. Über Weggeworfenes und dem Sorgetragen, Gemeinschaftsgeist und … Herbstliche Sortiergedanken am Mülleimer weiterlesen

Kochlöffel und Kräuterkugeln

Es klingelt und ich bekomme Post. Eine große Schachtel mit Schokikugeln, Bitterkräuter, und einem Kochlöffel im warmen Reisemantel. Zwei befreundete Künstlerinnen, Andrea Michel und Brigitte Schwarz haben mir die Zauberporst aus dem Norden geschickt. Sowas macht mir Freude. Das neue Ritualwerkzeug ist wunderschön und gesellt sich zu meinen anderen. Ein Glöckchen ist dran und Hirschfelle, eine Feder von meiner Sommerliebe, dem Bipperl und seiner Freundin. Kiefernnadeln aus den Höhlen der Ile-de-France und Johanniskraut im Futteral. Ein Stein dazu aus Lesbos. So viel Frühling, so viel Sommer, Reisegeschichten, gemeinsame Feuererinnerung, Kraft aus altem Land. Ich koste die Kräuterkugeln, Katalina beschnuppert den … Kochlöffel und Kräuterkugeln weiterlesen

Reinigungsrituale

Regentropfen draussen und das Wasser aus der Wasserleitung. Auf einmal höre ich wie die Wasserklänge zusammengehen und ein ganz neues Lied anstimmen. Bilder von Wasserfällen und den wilden Flüssen in Spanien sind da. Regen-Fluss-Baden-Duschen-Abwasch-Reinigung. Die großen Reinigungszeremonien fallen mir ein, Korea, Sibirien, unsere Rituale hier. Wie Maria uns im Altai gerüffelt hat, wenn wir unsere Teetasse den Tag über stehen lassen wollten. Wir mussten benutztes Geschirr sofort reinigen, damit sich keine schwierigen Geister angezogen fühlen. Das gemeinsame Abspülen bei den Maori, wenn alle zusammen – Alte, Junge, Männer, Frauen, Gäste – hunderte von Tellern gespült haben und dabei gelacht wurde, … Reinigungsrituale weiterlesen

Ich biete feil – Waren, Worte, Sonstiges

Was einmal die Bauchläden waren, sind heute die Newsletter. Eigentlich gefällt mir der Bauchladen besser. Er erinnert mich an die Körbe der Kräuterfrauen, die früher im Herbst an unsere Haustüre kamen, um ihre feinen Produkte feilzubieten. Das „Krähweiberl“, wie meine Mutter sie nannte. In schönen Trachten kamen sie und ich fand sie beeindruckend, vor allem eine Alte, die wie ein Hutzelweib aus dem Wald aussah. Ich blieb in respektvollem Abstand hinter dem Rockzipfel meiner Mutter stehen und lugte interessiert vor. Eigentlich hießen sie bei uns in Bayern Krenweiber, von Merrettich, was ich aber nicht verstand. Es hörte sich wie Kräh … Ich biete feil – Waren, Worte, Sonstiges weiterlesen

In Bayern gelandet

Zurück in Bayern, ist erstmal die Technik ausgefallen. Nicht nur Regen macht Zeit, sondern auch der Ausfall der Technik. Keine mails, kein Blog gibt unerwartete Spielräume. Spanien ist in der Wildnis ausgeklungen, in der Engaña, dem Tal der Wölfe. Seit zwanzig Jahren ist es mein heiliges Tal, Geschichtenquelle für mein erstes Buch, die Töchter der Mondin, Spiegel, Andersweltreiseplatz. Dieses Mal hat mir die Engaña etwas zum Älterwerden gespiegelt. Es ist nicht mehr so einfach, im Flussbett hochzuklettern oder über die Felsen zu springen wie vor zehn Jahren. Ich erkenne es an und es ist stimmig. Der Fluss lässt mich auch … In Bayern gelandet weiterlesen

España mixed

Ich bin eine Schürzenjägerin, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier gibt es raffinierte Kittelschürzenmodelle. Auf den Vendimiafotos sind einige zu sehen. Besen und Kittelschürzen liebe ich und finde, dass sie ideale Ritualgewänder sind. Dort, wo Kittelschürzen getragen werden, wissen die Leute auch etwas über die Meigas, die nordspanischen Druidinnen und Heilerinnen. Die Meigas tragen sie gerne bei ihrer Arbeit. Die blau-weiß-karierten Modelle finde ich besonders ansprechend, sie erinnern mich an den bayrischen Himmel. Zusammen Paellakochen. Zusammen essen. Überall auf der Welt hat das eine große Wichtigkeit. Ernte teilen auch. Hier reden alle davon, dass Deutschland mit den Schwesterstaaten Europas in … España mixed weiterlesen

Alltag und Fiesta

Die Vendimia ist gemacht, die Weinernte ist für dieses Jahr gut zu Ende gegangen.       Im alten Kessel, an der Feuerstelle wird gekocht. Es ist laut und aufgeregt, wir sind fröhlich, müde, zufrieden und hungrig.  Miteinander gearbeitet, miteinander gefeiert. Gastfreundschaft, reiche Ernte, Neues erfahren. Alle reden durcheinander und ich verstehe nichts. Ich glaube, ich verstehe nur Rocca. Ich arbeite gerne in Küchen und auf Feldern, in Weinbergen und im Stall, weil ich da viel erfahre. Der geteilte Alltag beschert mir gute Geschichten. Über die Curanderas, die Meigas, Lebenswege und Alltagsmagie. Rocca hat die Mitarbeit standhaft verweigert. Kein Blogartikel von … Alltag und Fiesta weiterlesen

A Guarda, Möwenbotschaft und Vendimia

Am Meer, am Ende Europas. So weit westlich, dass es eine Stunde länger hell ist. Der Brandung lauschen und den Schreien der Möwen. Ich sitze auf einem Möwenfelsen, lese Federn auf und nehme die Botschaft der schönen Vögel zu mir. Sie erzählen von den Gezeiten der Gefühle. Die Menschen hier am Meer leben mit den Gezeiten. Während der Zeit auf dem Felsen gebe ich mich dem Pulsieren des Meeres hin. Mich ausdehnen, zurückziehen, in den uralten Rhythmen. Was gebe ich in die Wasser des Lebens, welche Gefühle zu welchen Geschichten? Irgendwann, irgendwo werden sie mir an einem Küstensaum vor die … A Guarda, Möwenbotschaft und Vendimia weiterlesen