Anleitungsfreies Wellenreiten

Milchkaffee trinken, im weißen Milchschaumanzug und rosa Krawatte, weil ich über bedeutsame Dinge nachsinniere. Manche wollen wissen, wie andere Leute in anderen Strukturen als meine es sind, ihre Tagesqualitäten am besten leben können oder wie das ideale Rezept für nachmittägliches Wellenreiten ist. Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Und was heute stimmt, ist morgen vielleicht schon ganz anders. Für andere Leute gilt auch was anderes, Rezepte greifen für mich am besten, wenn sie ganz individuell zusammengebraut sind. Meine Rhythmen sind meine und die vom Hiasl die seinen. Katalina hat ihre ganz eigene Magie und der Anton hat seine ganz eigenen … Anleitungsfreies Wellenreiten weiterlesen

Gewandung im Alltag

Das Gewand und die Arbeit. Neues ausprobieren, Grenzverwischungen an den festen Trennlinien von Alltags- und Arbeitsgewand und dem Besondersgewand, der Ritualkleidung, dem Sonntagskleid und was es da alles gibt. Was verändert sich, wenn ich im Prachtgewand abspüle, im Ritualgewand sense oder in der Kittelschürze ins Theater gehe? Mit Gewändern betrete ich Felder, stelle etwas unter ein bestimmtes Vorzeichen. Das alltägliche Tun könnte sich im neuen Gewand ganz anders anfühlen, weiter werden, farbiger, magischer. Eine Freundin mäht im roten Seidenkleid Rasen. Sie sucht sich sonnige Windtage, damit der Rock wehen kann. Eine andere staubsaugt nackt und ich gehe gerne im Malerkittel … Gewandung im Alltag weiterlesen

Auf der Wäscheleine

Sie hängen jetzt auf der Wäscheleine, die Hosen und Hemden, die Gedanken und Bilder. Wind und Sonne lassen sie trocknen und Sommerduft flicht sich ins Gewebe. Kräuterbüschel, Gedichte und einen Blumenzopf hänge ich dazwischen. Schwebfliegen und Schmetterlinge geben ihren Segen dazu. Es sind auf Wäscheleinen aufgefädelte Geschichten. Ich hänge meine Bilder, Wünsche und Geschichten gerne in den Wind, neben Jacken und Socken. So hängen sie gut miteinander, die Materie und das leicht Flüchtige. Wie Gebetsfahnen im Wind. Ich schaue den wehenden Wäschestücken zu, schicke zwischendurch ein Lied zum getupften Rock, lasse meine Gebete mit den roten Socken in die Wolkenweite … Auf der Wäscheleine weiterlesen

Reinigungsritual bayrischer Indigener, westliche Ammerseegegend

Oft gibt es bei Indigenen keine extra Ritualräume, es findet alles dort statt, wo die Menschen leben. Für Reinigungsrituale (mind-clearings, Textilsäuberung, Entschmutzung von Themenkomplexen etc.) bietet sich die Waschküche (interessantes Wort) an. Ich mache es folgendermaßen: – wahlweises Anlegen von Ritualkleidung – einfüllen, was der Reinigung bedarf (Gedanken, Geschichten, Textiles) – je nach Lage mit Opferungen, Räucherung im Vorfeld, Gesängen … Mein Hilfsteil heißt Waschamascha. Mit vier Jahren habe ich sie so genannt, seitdem heißt sie so. Im Weiteren freie Ritualgestaltung, je nachdem, ob der Schonwaschgang reicht, ob es eine Tiefenreinigung braucht oder eine Extraschleuderung. Wahlweise eignet sich auch eine … Reinigungsritual bayrischer Indigener, westliche Ammerseegegend weiterlesen

Sommerarbeit, vom Seminar zum Heu

Morgenseiten auf der Ostbank schreiben, Nachklang vom Seherinnenseminar. Auf der Wiese vor dem Haus wird Heu gemacht, Sommerduft, Gedanken sortieren, die Hitze des Tages kosten, die schon in der Luft liegt. Gespräche klingen nach. Ich habe einen ganz wichtigen Satz mitgenommen. Nie mehr arbeiten als die, um deren Prozess es geht. Begleiten, einen Schritt dahinter, wach dabei sein, anbieten, nichts pushen. Warten können, bis etwas reif ist. Akzeptieren, dass manches sich in diesem Leben nicht umsetzen wird. Anerkennen, dass ich die großen Bögen nicht kenne, nicht überschauen kann. Vertrauen, dass es dennoch stimmig ist. Drei Seherinnen mit ihrem Stab gemalt, … Sommerarbeit, vom Seminar zum Heu weiterlesen

Spieglein, Spieglein an der Wand

was darf ich sehen von meinem Land? Manchmal was ganz anderes, als ich erwartet habe oder worauf ich Lust habe. Es ist morgens und ich stehe vor dem Spiegel, sehe mich, den Raum hinter mir. Und lese den Lippenstiftsatz auf meinem Spiegel. Ich bin die Heldin meines Alltags. Wen, was sehe ich im Spiegel? Mich, meine Schatten, mein Potenzial? Ich klopfe die Lehnswörter zu Spiegel ab. Da kommt Schattenbehälter, Schattensehen. Schatten und Spiegel werden mit demselben Wort bezeichnet. Das ist mir neu. Das Selbstsehen im Spiegel, das Sehen der Seele. Die Furcht vor Selbstverzauberung gab es auch, gar nicht so undumm … Spieglein, Spieglein an der Wand weiterlesen

Zwei Trommeln und das Heilige

Aus dem Altai habe ich eine ganz besondere Trommel mitgebracht, sie ist so eigen und geheimnisvoll, so superheilig und schön und besonders und und und – und sie hat ein paar kleine Nachteile, sie reagiert auf minimale Luftfeuchtigkeit und hängt dann wie ein nasses Handtuch rum und so hört sie sich dann auch an. Wie im Moment bei dem rauhen Wildwetter. Groß ist sie und schwer und sie ist reiseunlustig. Weil ich auf die Trommelfaxen jetzt keine Lust mehr habe, gibt es eine zusätzliche. Eine aus Plastik, Vollplastik. Sie sollte eine Nebenbeisicherheitstrommel sein. Ohne weitere Ansprüche. Dann kam sie. Groß … Zwei Trommeln und das Heilige weiterlesen

Die Schwelle, Übergangsort, Geisterort

Heute ist ein Tag, an dem ich Schwellen wahrnehmen. An der Haustüre, den Fenstern, Übergänge. Ich beginne, sie zu fegen, die Zeichen zu erneuern, darauf zu spucken, mit der Katze einfach auf der Schwelle verweilen. Ich räuchere die Schwellen, bei manchen stelle ich ein Salzschälchen hin. Wünsche darüber gesprochen – dass alles, was über diese Schwellen hin- und hergeht, was von mir in die Welt geht und was zu mir kommt, nährend ist und mit einem friedvollen Geist, einem weiten, freien, großzügigen kommt und geht. Dass die Freude Begleiterin ist und manches mehr. Manche Schwellen sind längst überfällig, was das … Die Schwelle, Übergangsort, Geisterort weiterlesen

Wie gehe ich durch eine Ausstellung?

Ein Ferientag mit Inga und Christine. Wir fahren mit dem Zug nach Rosenheim in den Lokschuppen zur Ausstellung über American Natives und die First Nations (Kanada). Vor langer Zeit haben wir eine interessante Weise entwickelt, wie wir durch Ausstellungen gehen. Zuerst geht jede alleine, schaut sich alles in ihrer Zeit an, bleibt da stehen, wo es sie hinzieht. Sie hat die anderen immer in Gedanken dabei. Jede schaut für sich und für jede andere, wo es eine besondere Resonanz gibt. Im Café tauschen wir uns aus und gehen dann nochmal gemeinsam durch. Dann zeigen wir uns die Teile, Fotos, Szenen, … Wie gehe ich durch eine Ausstellung? weiterlesen

Lirum Larum Löffelstiel

Ein Strich, ein Kreis, ein Löffel sei´s. Ein Kochlöffel, ein Suppenlöffel, ein kleiner, ein großer, ein Aschelöffel, ein Löffel mit Löchern. Das ist dann ein Sieb. Einbrocken, auslöffeln, schöpfen – da geht der Löffel Richtung Kelle. Löffel sind steinzeitalt. Die Löffelmulde wurde aus dem Holz mit Kohle ausgeglüht. Löffel waren wesentliches Essgerät von der Geburt bis zum Tod. Da gebe ich dann meinen Löffel ab. Sie gehörten immer schon zum magischen Handwerk, zum Zauber, zum Schutz, zum Orakel. Ich habe viel zu viele Löffel. Wahrscheinlich habe ich von allem zu viel. Würde ich meine Löffel selber herstellen – schnitzen, schmieden … Lirum Larum Löffelstiel weiterlesen