Zeitenbeheimatung

Beim Filmschneiden und Seminarvorbereiten liegt das Thema Zeit auf dem Tisch. Wie ist meine Beziehung zur Zeit? Ich hangle mich an Zeitlinien entlang, wähle Zeitlupe, ordne Zeitabläufe neu zu, nutze den Zeitraffer und gehe in Joanna Macys Tiefenzeitbelehrungen. Da geht es darum, wieder heimisch zu werden in der Zeit. Ich erkunde unser kollektives, geschrumpftes Zeitempfinden, wie Tempo und Dichte alles eng werden lassen und meine Poren verstopfen. Wie schnell muss ich Entscheidungen treffen, viele, gewichtige, dauernd, ohne Zeit für eine Überprüfung zu haben. Bei den langen Filmspuren komme ich auf die großen Zeitbögen. Im Augenblick heimisch sein, das gelingt immer … Zeitenbeheimatung weiterlesen

Tänze und Lebensräume

Während ich meine Spuren im Neuschnee ziehe, lasse ich die Gedanken fliegen. Die Skier gleiten gut durch den Schnee, ich kann endlich von der Haustüre losfahren. Gedanken zu Lebensräumen. Wir werden in jedem unserer Lebensräume Filme machen, in Meas schöner Bauernhausküche, in meiner neuen Einbauküche, in Ingas kleinem Stadthaus. Unsere Lebensräume sind sehr verschieden und überall ist es möglich zu tanzen, den Alltag zu bezaubern, neugierig und schräg, sinnlich oder stürmisch die Lebendigkeit in allem zu erfahren, das Leben zu feiern. Es geht auf dem Land, in einer kleinen Stadtwohnung, auf Holz, Fliesen oder Linoleum. Ich tanze heute zwischen Geschirrspüler und … Tänze und Lebensräume weiterlesen

Viehräucherung und Küchenzauber

Mein Stall samt Vieh ist geräuchert. Es ist das Bilder- und Bücherlager samt Bewohnern. Jetzt ist alles bereitet für die neuen Bücher. Es ist ein großes Glück, dass meine uralten Freundinnen Mea und Inga Performancekünstlerinnen sind. Alle Performances machen wir zusammen, gestern in Meas Küche. Butoh, Suppenzauber,  Tiefe und Alltag getanzt. Es war ein Filmtag fürs Museum. Keine von uns kann filmen, schneiden auch nicht. Egal. Wir haben auch schon Tonaufnahmen mit einem alten Kasettenrecorder gemacht wie zu Fluxuszeiten. Da hole ich gerne einen geschenkten Satz hervor. Alle sagten, das geht nicht, eine wusste das nicht und hat es einfach … Viehräucherung und Küchenzauber weiterlesen

Innenreinigung

Die Jahresfeste, wie Brigid–Lichtmess sind für mich mittlerweile Zeiträume geworden. Die Brigidzeit ist eine wichtige Innenreinigungszeit. Zum Kühlschrank abtauen beispielsweise. Während innen alles leer wird, ausgewischt, beleuchtet, geräuchert, hütet die Kälte draussen das Essen. Die Filze und Wolldecken waren drei Tage und Nächte draussen, während ich innen die Stellen darunter gereinigt habe. Es ist eine gute Zeit, Gegenstände, die ich mir angeschafft habe, zu warten, zu reinigen. Es gibt Etliches, das gewartet werden will. Mir Zeit nehmen dafür, spüren wie wenig das Warten von Dingen üblich ist in unserer Austauschkonsumierbeliebigkeitsgesellschaft. Es ist aufwändig. Es zollt den Dingen, den Ressourcen, den … Innenreinigung weiterlesen

Winterbilder

Dem eisigen Winter zollen die Leute hier großen Respekt. Die Alten vom Dorf sind froh, „gut so,“ sagen sie,“es braucht die Kälte.“ Man weiß damit umzugehen. Die Wildtiere werden unterstützt, Vögel, Scheunenkatzen, Greifvögel. Die Filze auf der Bank vor dem Haus werden von den wilden Katzen aufgesucht, die anderen machen keinen Schritt vor die Haustüre. Buntspecht, Gimpel und die Meisen sind zum ersten Mal in diesem milden Winter Gäste. Ich rücke näher an den Ofen und suche in den unbewohnten Häusern Eisblumen. Innenreinigungszeit, Vorbereitung für den Frühlingsaufbruch. Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Dorfweiher. Erinnerungen an Julika, die mich immer gelockt hat, … Winterbilder weiterlesen

Ich erfinde mich neu

Was und wieviel gebe ich von mir preis. Wer macht was mit diesen Informationen. Ich erkunde seit Jahresbeginn Facebook. So habe ich vor eineinhalb Jahren auch mit dem Blog angefangen. Ich will verstehen was es macht, welches Feld das ist. Facebook konnte ich von aussen nicht verstehen, genauso wie Blogschreiben. Rätselhafte Länder. Deshalb bereise ich sie. Die Chronik oder Timeline von Facebook hat mich an ein Thema erinnert, das ich mal mit meinen Studierenden gemacht habe. Eine Person aus dem Bereich der Kunst sollte erfunden werden, mit Namen, Lebenslauf und Inhalten. Es gab wilde Fotocollagen, witzige und tragische Leben, verkannte … Ich erfinde mich neu weiterlesen

Verspulte Tage

Gerade verspulen sich die Zeiten, nichts geht so richtig weiter, ich laufe hinter einem Impuls her, er löst sich auf, dann der nächste und so weiter. Es gibt solche Tage. Nichts G´scheites strickt sich, alles bleibt irgendwie unerledigt, obwohl ich allem nachgehe, scheinbar. Und lassen kann ich es auch nicht. Mir fällt noch nicht mal was für den Blog ein. Wenn ich meine, was Zündendes gefunden zu haben, ist es auch schon wieder weg. Wenigstens fahre ich zu Sabine in die Werkstatt und wir ziehen Bilder auf fürs Museum. Es geht ihr genauso heute, das beruhigt mich. Wir pfuschen beide … Verspulte Tage weiterlesen

Blumenkohl bringt ein Gedicht

Es ist die Zeit von Blumenkohl, Schnee und Katalinas Landliebe-Griesbrei. Weil alles so weiß ist, male ich Löffel farbig an. Seltsame Geschichten male ich, von Pfeife rauchenden Frauen und ihren Geistertieren. „Solche Tiere gibt es gar nicht,“ sagt Katalina. „Doch.“ „Ich glaubs nicht.“ „Mir egal.“ „Ja soll ich jetzt gar nichts mehr sagen?“ „Mir auch egal.“ „Solche Tiere gibt es nicht.“ „Du kennst sie halt nicht.“ „Du auch nicht. Du malst sie nur so, weil du sie nicht anders malen kannst.“ „Doch,“ „Wer´s glaubt wird selig.“ „Du bringst mich dauernd draus.“ „Beim komische Tiere malen?“ „Beim wichtige Dinge tun.“ „Haaaahahahahaha…….“ Katalina … Blumenkohl bringt ein Gedicht weiterlesen

Wildwüchsiges Häkeln

Topflappen sind vor nicht allzu langer Zeit alle selbst gehäkelt worden. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Alltagsmagie habe ich meinen ersten Topflappen gehäkelt. Mir Zeit nehmen und etwas einweben in mein Leben, häkelnderweise. So ein Topflappen dauert. Ein guter Zeitraum, um nährende Gedanken ins Garn, die Schlaufen, die Knoten fliessen zu lassen. Häkeln mag ich am liebsten, es erlaubt die wildeste Herangehensweise, viel mehr als Stricken. Ich sitze am Feuer und häkle. Knüpfen finde ich hat auch was, Fleckerlteppich beispielsweise. Meist singt sich ein Lied her zum Knistern. Dann nehmen die Gedanken Farben an und Geschmäcker. Wildwüchsiges Häkeln weiterlesen

Geldbeutelzauber

Wie sieht mein Medizinbeutel aus und wie der Beutel, in dem ich den alltäglichen Energieausgleich für den Aussenbereich aufbewahre? Der eine schön verziert, bestückt – ein Prachtstück. Der andere praktisch, schwarz, Leder, ein Gastronomiegeldbeutel. Wenigstens ein Fach ist für die Spirits reserviert. Ansonsten habe ich noch nicht viel Einfallsreichtum reingesteckt. Wenn ich aber doch möchte, dass mich meine Einfälle reich machen, könnte ich mich mal geldbeutelmäßig ins Zeug legen. Meiner ist schwer, groß und es ist viel drin. Ich wechsle, nehme einen ganz kleinen, leichten. Aussenbemalung, polka dotted – gepunktet, weil es so ein Lieblingswort ist. Gepunktet gefällt mir auch … Geldbeutelzauber weiterlesen