Die Nähzeit ist eingeläutet

Die Nähzeit braucht, genau wie Buch- oder Medizinschrankmachen freies Feld, keine Termine, kein Telefon, viele Tage ohne irgendwas. In diesen Freiraum hinein entfaltet es sich. Nähzeit ist für mich eine sehr besondere, rituelle Zeit. Flicken gehört dazu, häkeln, sticken, knüpfen, spinnen, weben und nähen. Ich flicke die ganzen Teile, die sich seit dem Frühling im Korb sammeln. Etwas wieder zusammenfügen, erneuern, wieder brauchbar machen. Wilde Gewandexperimente gibt es auch. Heute verwerte ich alte, zu klein gewordene Teile, die ich besonders mochte und mache aus mehreren ein neues Kleid. Flickenhaft und asymmetrisch wird es, weil ich von keinem Stoff genug habe. … Die Nähzeit ist eingeläutet weiterlesen

Ahnenfest und ein Tanz mit der Schamanenahnin

Zeit, um den Ahnenaltar zu bestücken, um Staub zu wischen, oder umzugruppieren. Die Motten sagen es ja auch. Meine Ahnendecke hervorholen und mit ihnen feiern. Mit den Ahnen, nicht den Motten. Es gibt die Speisen, die sie besonders mochten, den Hollersaft und Bier für die bayrische Linie. Ahne ist ein weibliches Wort, ich spare mir also das „innen“. Kunterbunt liegen ihre Bilder auf dem Kästchen, manche bemalt, andere einfach so. Es liegen all diejenigen da, die mich stärken. Meine Ahnenboote putze ich auch und gebe Blüten, Gebäck und Beeren dazu. Das andere Boot belade ich mit Düften und Singsang. Beide … Ahnenfest und ein Tanz mit der Schamanenahnin weiterlesen

Windbewegte Rückzugszeit

Weil es gar nicht so einfach ist, sanft in den Winterschlaf zu gehen, mache ich es wie früher. Im Wald herumstromern, mit den fallenden Blättern spielen und mir ein Nest bauen. Rascheln, Windgesänge, mich mit Laub zudecken und schauen, wie sich die Blätter zu mir herunter tanzen. Mich einhüllen lassen, die Höhle aufsuchen, in die Falten des Erdschoßes sinken. Herbst – Zeit, die heiligen Träume der Ahninnen zu träumen. Mich hineintragen lassen ins Zwielicht, in die Antworten hineinleben, sie erträumen – dafür mache ich in den kommenden Monaten den Raum auf. Mich langsam vom Tun im Aussen verabschieden. Über den … Windbewegte Rückzugszeit weiterlesen

Altäre und Reisevorbereitung

Von den Nomadinnen habe ich das Reisevorbereiten mitgebracht. „Vielleicht kommst du nicht mehr wieder, also verabschiede dich gut.“ Und so gehe ich durchs Haus, nehme mir Zeit für Gustav und Katalina und lege Blumen und Speisen auf die Altäre. Möge meine kleine Reise eine behütete sein. Am liebsten komme ich wieder und die Mülleimer sind leer, alles gesaugt, der Schreibtisch aufgeräumt und bereiteter Raum für Neues. Das heißt, mir Zeit nehmen vor der Reise und alles so richten, dass ich genau das vorfinde bei meiner Rückkehr. Dieses Mal gelingt es nicht so recht. Ein bisschen rumgehudelt, riesige Menge wegen der Frühjahrsausstellung … Altäre und Reisevorbereitung weiterlesen

Müllthematik Teil II

Am Donnerstag breche ich auf nach Wiesbaden zum großen Jahresabschluss meiner Aussenarbeit. Und weil ich vor Reisen gerne den Müll entsorge, geht das Entsorgungsthema noch weiter. Abfalleimer, Grünkübel, Leergutabteilung, Katzenklo im Freien … Für alles habe ich Entsorgungsbehältnisse, auch Katalina wählt einen Streifen im Garten für ihre Toilette. Klug von ihr, weil unsere Ausscheidungen ja in die Erde gehören und nicht ins Wasser. „Das zum Thema Intelligenz,“ sagt sie. „Beste Verwertung und schnelle Umwandlung.“ Aber das ist ein eigenes Thema. Zurück zum Abfall. Wohin mit inneren Altlasten, feinstofflichem Müll oder Ähnlichem? Ich erinnere mich an eine alte Tonfigur, die ich vor langer … Müllthematik Teil II weiterlesen

Kochlöffel und Kräuterkugeln

Es klingelt und ich bekomme Post. Eine große Schachtel mit Schokikugeln, Bitterkräuter, und einem Kochlöffel im warmen Reisemantel. Zwei befreundete Künstlerinnen, Andrea Michel und Brigitte Schwarz haben mir die Zauberporst aus dem Norden geschickt. Sowas macht mir Freude. Das neue Ritualwerkzeug ist wunderschön und gesellt sich zu meinen anderen. Ein Glöckchen ist dran und Hirschfelle, eine Feder von meiner Sommerliebe, dem Bipperl und seiner Freundin. Kiefernnadeln aus den Höhlen der Ile-de-France und Johanniskraut im Futteral. Ein Stein dazu aus Lesbos. So viel Frühling, so viel Sommer, Reisegeschichten, gemeinsame Feuererinnerung, Kraft aus altem Land. Ich koste die Kräuterkugeln, Katalina beschnuppert den … Kochlöffel und Kräuterkugeln weiterlesen

Reinigungsrituale

Regentropfen draussen und das Wasser aus der Wasserleitung. Auf einmal höre ich wie die Wasserklänge zusammengehen und ein ganz neues Lied anstimmen. Bilder von Wasserfällen und den wilden Flüssen in Spanien sind da. Regen-Fluss-Baden-Duschen-Abwasch-Reinigung. Die großen Reinigungszeremonien fallen mir ein, Korea, Sibirien, unsere Rituale hier. Wie Maria uns im Altai gerüffelt hat, wenn wir unsere Teetasse den Tag über stehen lassen wollten. Wir mussten benutztes Geschirr sofort reinigen, damit sich keine schwierigen Geister angezogen fühlen. Das gemeinsame Abspülen bei den Maori, wenn alle zusammen – Alte, Junge, Männer, Frauen, Gäste – hunderte von Tellern gespült haben und dabei gelacht wurde, … Reinigungsrituale weiterlesen

Ich biete feil – Waren, Worte, Sonstiges

Was einmal die Bauchläden waren, sind heute die Newsletter. Eigentlich gefällt mir der Bauchladen besser. Er erinnert mich an die Körbe der Kräuterfrauen, die früher im Herbst an unsere Haustüre kamen, um ihre feinen Produkte feilzubieten. Das „Krähweiberl“, wie meine Mutter sie nannte. In schönen Trachten kamen sie und ich fand sie beeindruckend, vor allem eine Alte, die wie ein Hutzelweib aus dem Wald aussah. Ich blieb in respektvollem Abstand hinter dem Rockzipfel meiner Mutter stehen und lugte interessiert vor. Eigentlich hießen sie bei uns in Bayern Krenweiber, von Merrettich, was ich aber nicht verstand. Es hörte sich wie Kräh … Ich biete feil – Waren, Worte, Sonstiges weiterlesen

Alltägliche und nichtalltägliche Treffunkte

Treffpunkte, Wegkreuzungen, Begegnungen, Feuer. Wo trifft sich wer, was wird dort gemacht, wann ist der richtige Zeitpunkt, wo der passende Ort? Ich klopfe meine Tage auf Treffpunkte ab. Heute und am Wochenende zum Beispiel in der Schweiz, in Wil, beim Council im Tipi und zur Mythenschöpferin. Die Begegnungen in der alltäglichen Wirklichkeit finden an scheinbar banalen Orten wie Café, Dorfwirtschaft, Einkaufsladen statt. Heiliger Morgentreffpunkt mit dem alltäglichen Leben. Freundschaftsweben an den Feuern. Zu diesen Treffpunkten fahre ich sogar durch Schnee und Nacht, weil sie mir so kostbar sind. Für die Begegnungen mit den Spirits, den Ahnen, Ortsgeistern oder anderen brauche … Alltägliche und nichtalltägliche Treffunkte weiterlesen

Herbsttagundnachtgleiche und die Ernte

Tag und Nacht sind übermorgen gleich gewichtet. Herbstpunkt. Ich schaue auf meinen Erntetisch. Vor einem Jahr habe ich beschlossen, das jetzige Jahr der Verwertung meiner reichen Ernte zu widmen. Ein Teil der Bilder, Reisen, Erfahrungen ist eingekocht, neu zusammengesetzt, hat Worte und Bilder bekommen und ist als Fotobuch, das es nur einmal gibt – einer Art Einweckglas – verwertet und konserviert. Ich habe Mus gemacht und Marmeladen, Vorträge und den Blog und immer noch liegt so viel auf dem Erntetisch. Es braucht eine Verlängerung der Verwertungswidmung. Von Hannover bringe ich Geschenke mit, Äpfel, bei denen der Saft herausläuft, wenn man … Herbsttagundnachtgleiche und die Ernte weiterlesen