Jahresnachlese

Die Jahresnachlese beginnt. Meistens lasse ich mir Zeit zwischen Lucia und Neujahr, um das Jahr noch einmal anzuschauen, zu würdigen, abzurunden. Ich lese meine Morgenseiten, gehe den Kalender durch, schaue auf die in diesem Jahr verzeichneten Landkarten. Was war vertraut, was ganz neu? Was habe ich verabschiedet und was eingeladen? Am liebsten mache ich die Nachlese im Zwielicht, gegen Abend, in der blauen Stunde, am Feuer, mit bekömmlichen Speisen und Winterdüften. Alle meine Tage ziehen vorbei, mit ihrem Witz, den Seltsamkeiten, der Tiefe und Weite und der Einfachheit. Ein gelebtes Jahr mit dem, was ich gekocht habe, verrührt, zusammengemischt, eingemacht, … Jahresnachlese weiterlesen

Luxus-Spezie

Katalina hat neue schwarze Mäuse bekommen. Wegen der Tierarztbesuche, der Spritzen und überhaupt. Sie kann Fett schlecht verstoffwechseln, ich muss sie spritzen und das Essen ist umgestellt. Das Essen ist das Dramatischste für sie. Ich frage mich, wie sich eine Spezies eigentlich den Luxus erlauben kann, so stur zu sein beim Essen. Wenn jemand vor vollen Kühlschränken verhungert, dann Katzen. Die Diät bringt neue Lebensgeister, wir werden den ganzen Tag animiert, bespielt und dennoch will der Zusammenhang zwischen neuen Essgewohnheiten und Wohlbefinden nicht hergestellt werden. Ich weiß, dass es keine Frage der Intelligenz, sondern der Sturheit ist. Jetzt haben beide … Luxus-Spezie weiterlesen

Wildwüchsiges Häkeln

Topflappen sind vor nicht allzu langer Zeit alle selbst gehäkelt worden. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Alltagsmagie habe ich meinen ersten Topflappen gehäkelt. Mir Zeit nehmen und etwas einweben in mein Leben, häkelnderweise. So ein Topflappen dauert. Ein guter Zeitraum, um nährende Gedanken ins Garn, die Schlaufen, die Knoten fliessen zu lassen. Häkeln mag ich am liebsten, es erlaubt die wildeste Herangehensweise, viel mehr als Stricken. Ich sitze am Feuer und häkle. Knüpfen finde ich hat auch was, Fleckerlteppich beispielsweise. Meist singt sich ein Lied her zum Knistern. Dann nehmen die Gedanken Farben an und Geschmäcker. Wildwüchsiges Häkeln weiterlesen

Geldbeutelzauber

Wie sieht mein Medizinbeutel aus und wie der Beutel, in dem ich den alltäglichen Energieausgleich für den Aussenbereich aufbewahre? Der eine schön verziert, bestückt – ein Prachtstück. Der andere praktisch, schwarz, Leder, ein Gastronomiegeldbeutel. Wenigstens ein Fach ist für die Spirits reserviert. Ansonsten habe ich noch nicht viel Einfallsreichtum reingesteckt. Wenn ich aber doch möchte, dass mich meine Einfälle reich machen, könnte ich mich mal geldbeutelmäßig ins Zeug legen. Meiner ist schwer, groß und es ist viel drin. Ich wechsle, nehme einen ganz kleinen, leichten. Aussenbemalung, polka dotted – gepunktet, weil es so ein Lieblingswort ist. Gepunktet gefällt mir auch … Geldbeutelzauber weiterlesen

Werkprozess Kücheninstallation

Zum Glück schneit es und ich lasse mich hineingleiten in die Innenfeuerarbeit. Weil die Museumsfrauen die verrückte Idee hatten, zur Ausstellung Installationen zum alltäglich Schamanischen oder andersrum zu machen, bin ich jetzt am Organisieren von doppeltem Haushaltszeug samt Bemalung, Beritzung, Ausschmückung. Und, wie immer bei Ausstellungen oder Buchprojekten – ich mache meine ganze Umgebung verrückt. Alle sammeln, suchen, durchstöbern Scheunen und Speicher nach alten Schöpfkellen, Sieben, Eimern. Ulla hat die Fährte nach einer Konsole aufgenommen, Sabine ist am Eimer dran, Anke leiht mir ein paar ihrer Topflappen, meine Mutter hat noch zwei ganz alte blau-weiß karierte Handtücher aus meiner Kindheit … Werkprozess Kücheninstallation weiterlesen

Weißtage

Dichter Nebel, endlich einmal wieder. Ich brauche Spätherbstzeit und Winter, Stürme und Kälte und Weiß. Die Arbeit unterbrechen und rausgehen. Ich sehe keine Begrenzung, keine Zäune, keinen Wald und der Feldweg verliert sich nach wenigen Metern im Weiß. Ich gehe und sehe ins Weiß, spüre die Nebelfeuchtigkeit im Gesicht. Wie in einen leeren Raum gehe ich oder einen Traum. Dorthin, wo sich alles auflöst. Langsamer werde ich, Zeitlupe. Die Augen können sich an nichts festhalten, sie entspannen und gehen in Räume zwischen den Dingen. Ich atme Nebel ein und werde unsichtbar. Das liebe ich, in der Dunkelheit des Waldes oder … Weißtage weiterlesen

Gut, weil erfolgreich?

Gedanken zu unserer Kunst, unseren Bildern, dem Geschriebenen, dem Tanz, unserem kreativen Ausdruck. In den letzten Tagen kommt das Thema „Buchveröffentlichung“, „Ausstellung machen“ und wie das ginge etc. gehäuft. Deshalb schreibe ich jetzt was dazu. Für mich stellt sich die Frage, warum etwas in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Sitze ich da in der Verbindungsfalle von gut = erfolgreich? Bin ich nur dann „gut“, wenn ich nach den Maßstäben des Kunst- oder Buchmarktes erfolgreich bin? Geht es vielleicht eher darum, gut = erfolgreich voneinander zu lösen? Es gibt viel schlechtes und dennoch sehr erfolgreiches Zeug und andersrum. Und manches ist … Gut, weil erfolgreich? weiterlesen

Wir feiern uns

Weil es mit Geburtstagsgeschenken manchmal recht kompliziert ist, feiern wir uns, Mea, Inga und ich, indem wir ein besonderes Ereignis miteinander teilen und so unsere Geburtstage damit gegenseitig beschenkt sind. Wir investieren gerne in gemeinsame Erlebnisse an Stelle von Gegenständen. Dieses Mal waren wir im blauen Haus, dem Casa Azul von Frida Kahlo. Ein Tanzstück der Donlon Dance Company vom Staatstheater Saarbrücken. Hinreißend. Drei Fridas haben getanzt, starke Bühnenbilder, eine witzige Choreographin aus Irland. „Frida hatte viele Liebhaber und Liebhaberinnen, so soll es sein“, meinte sie lachend. Aus dem Mißverständnis hat sie ein „Mischverständnis“ gemacht und mit den „gemalten Gemälden“ … Wir feiern uns weiterlesen

Die Hausapotheke

Vor dem Winter bestücke ich meinen Medizinschrank. Und weil ja im Frühjahr alles ins Museum soll, etikettiere ich gleich alles, damit es nachvollziehbar ist und besorge es doppelt. Was tut mir gut? Was verleibe ich mir am liebsten ein, wenn ich Mut brauche? Mit was würze ich gerne – so eine Art Lebenswürze. Welches Getränk lässt mich heiter werden und was esse ich, wenn ich Nervenruh brauche? Was gibt mir im Winter Sommerfrische und was ist so eine Art Allheilmittel? Wenn mir was auf den Magen schägt, nehme ich einen Magenbitter und das Gefühl von Lebensreichtum habe ich bei etwas … Die Hausapotheke weiterlesen

Die Schattenmaske

Es braucht viel Mut, einander die Schatten zu zeigen, in die Spiegel zu schauen und immer zu wissen, dass das, was sich zeigt einer der Schattenaspekte ist und jede viel mehr ist als dieser eine Aspekt. Und, dass jede noch etliche andere Schattenmasken machen könnte. Es braucht auch einen sehr gehüteten Raum, damit sich die im Dunkeln lebenden Teile zeigen, in ihren Extremen, ihrer Versehrtheit, ihrer Wut, den Exzessen, den Fragen und allem, was sie ausmacht. Hinter den Schatten ist ihr Potenzial, die verbündete Kraft. Wir wussten es alle und es ist eine große Herausforderung, die Schatten nicht gleich ins … Die Schattenmaske weiterlesen