Zwischenbericht

Ich bin´s, Katalina. Ich habe sie gesehen, die Schattenmaske. Mein lieber Schieber. Am Schluss hängt sie irgendwo im Haus rum. Alles wollen wir ja nicht kultivieren, ich stopfe sie dann in den Ofen – falls sie sich nicht trennen will von ihr. Ein Zeug machen die immer. Hast du schon mal eine Katze gesehen, die sich Masken macht zur Selbsterkenntnis? Auch so macht sie das nicht. Ich geniesse den Nebel und das Feuer, die frische Leber und mein Kuschelfell. Einen vergnüglichen Tag wünsche ich dir. Zwischenbericht weiterlesen

Es ist wieder Maskenzeit

Jedes Jahr komme ich mit den Maskenfrauen zusammen, um mehr von mir kennenzulernen und zu verstehen. Heute werden wir Schattenmasken machen. Ich ahne schon, wer da kommen will, im Vorfeld hat es sich bereits aufgebaut. Und ich finde es anstrengend, frage mich zwischendurch, warum ich mir am grünen Tisch so gerne und schnell alle möglichen Herausforderungen einlade. Die Frage ist jetzt natürlich müßig, jetzt geht´s los. Schattenmasken – an die Stellen gehen, wo eine Kraft bricht, wo die Königin, die Liebende oder die Lehrende umkippt. Ein bisschen gruselt es mich schon. Dann sag ich mir, dass ich das nächste Mal … Es ist wieder Maskenzeit weiterlesen

Küchenpercussion

Beim Abstauben und Einsortieren der Küchenschränke klimpert es, Kochtopf an Pfanne, ein Löffel fällt runter, Teller auf Holz. Auf einmal höre ich die Geräusche anders, pling pling, tok und es ist ein Rhythmus. Drei Gläser hingestellt, die Töne ausprobiert, zwei Töpfe dazu, verschiedene Schlägel ausprobiert. Die Kochlöffel mag ich am liebsten. Ich spiele den Jankadi und den Buru, dann Fantasiezeug, die Stimme kommt dazu, es lässt sich auch tanzen. Im Drehen nehme ich neue Instrumente dazu wie den Tisch, die Türklinke und die Ofenleiste vorne. Im wilden Trommeln zerdeppere ich fast die schon angesprungene Teetasse und frage sie, ob sie … Küchenpercussion weiterlesen

Mutig Bilder verändern

Das zweite Klassentreffen in diesem Jahr, diesmal vom ganzen Abiturjahrgang. Ich könnte Ähnliches schreiben wie zum Grundschulklassentreffen. Weil es nicht ganz so lange her ist, gibt es mehr Schnittmengen. Ich merke, dass mich die Veränderungen am Meisten interessieren, die Brüche. Wer hat sich wo wirklich verändert, ist mutig in neue Länder gegangen und in etwas hineingewachsen, das mich staunen lässt. Wo sind all diejenigen, die auf dem Weg zum Abitur durchgefallen, weggegangen sind? Und die „Gestrandeten“? Ich merke, wie stark ich einfordere, dass andere bereit sind, Bilder, die sie von mir haben, zu verändern, wenn sie nicht mehr passen. Und … Mutig Bilder verändern weiterlesen

Zeit zu schlafen

Ein seltsam frühlingshafter November, der alles andere als ruhig ist und nicht das Zeug hat, mich in den Winter zu tragen. Den Igeln im Garten geht es ähnlich, sie sollten längst in den Winterschlaf gehen, die Nahrung wird knapper und das zehrt bereits, weil die Nächte schon Minusgrade haben. Tagsüber weckt sie die Sonne wieder auf. Ich bin auch unterwegs wie im Frühling und gleichzeitig merke ich, dass mir die Rückzugsqualität vom Herbst anfängt abzugehen. Deshalb beginne ich, die Kontaktstellen nach Aussen sanft in den Winterschlaf zu bringen. Das Telefon ins Bett gelegt, gut zugedeckt und ein Schlaflied gesungen. Mit … Zeit zu schlafen weiterlesen

Küche und Heilsitzung

Eine überraschende Heilwoche. Bei Lilia, die siebzig Jahre Erfahrung mitbringt und Tungaa aus der Mongolei. Beide Male erlebe ich wieder das selbstverständliche Eingebettetsein des Rituals, der Heilsitzungen, des Spirituellen in ganz Alltägliches. Bei Lilia höre ich unten Gespräche, das Klingeln des Telefons, Kochgeräusche – alles bei offenen Türen. Persönliches wird geredet und Einkaufslisten durchgegangen, während ich, eingewickelt, daliege und den Auftrag habe, ganz zu entspannen. Tungaa, Nara und ihr Begleiter bereiten nachmittags das Essen vor. Dann die Einzelsitzungen. Die Küche hat keine Türe, die Alltagsgeräusche begleiten die Sitzungen, alles gehört zusammen. Wir machen die Zeremonie abends im Essraum, der schöne, … Küche und Heilsitzung weiterlesen

Die Lust und die Tragik der freien Wahl

Heute muss ich wieder tun, was ich will. Ich sollte wissen, was ich will. So geht´s schon los. Ich suche also das Will. Im Moment habe ich nicht mal eine Ahnung wie es aussieht oder wie groß es ist. Wie soll ich da anfangen zu suchen? Wenn das Will winzig klein ist, dann kann es ja überall sein. Auf Rufen reagiert es nicht. Ich gehe im Haus rum, überlege, finde nichts. Kein Will für diesen Tag? Jetzt habe ich so einen schönen, freien Tag und finde kein Will, geschweige denn den nächsten Schritt eines Tuns. Das ist so blöd wie … Die Lust und die Tragik der freien Wahl weiterlesen

Mich treiben lassen am Nebelsonntag

Sonntagsdynamik. Nebel und Langsamkeit, keine Pläne. Durchs Dorf gehen, die wilden Katzen in der Scheune besuchen, sie füttern, ihnen sagen wie schön sie sind. Eine davon hätte ich gerne. Also eigentlich vier. Vermitteln kann ich sie nicht, weil sie sich nicht nehmen lassen. „Wenn ihr euch nehmen lasst, dann suche ich gute Plätze für euch,“ das sage ich ihnen jedesmal. Weiter zur Christa in die Dorfwirtschaft. Heute ist Flohmarkt, ich erwerbe zwei Jacken von Maria, alte gestickte Borten und eine Tischdecke von Gela. Ratschen mit vielen, Kaffee trinken, Brezen essen und mich dahintreiben lassen. Lilian, eine Ärztin-Heilerin aus Abchasien ist … Mich treiben lassen am Nebelsonntag weiterlesen

Unruhe glattbügeln

Bügeln, glätten, glattstreichen – Handtücher, Geschichten, Kleider, Gedanken. Zusammenlegen, falten, in den Schrank sortieren, stapeln. Da sind die Gedankengebäude, dort verschiedene Projekte, dann die T-Shirts und die Winterteile. Ich bügle gerne, eigentlich. Praktisch bügle ich selten, weil ich warte, bis der Stapel groß genug ist. Dann allerdings zelebriere ich das Bügeln. Weil ich in der Anfangsphase vom Buchmachen bin und ganz unruhig werde, wenn es nicht gleich die ultimative Layoutlösung gibt, brauche ich einen Beschäftigungswechsel. Ich finde nicht die passende Schrift, bin deshalb nicht beflügelt, will nicht stundenlang weitersuchen, werde knatschig und entscheide mich, mal wieder zu bügeln. Zum Fenster … Unruhe glattbügeln weiterlesen

Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten

Der unperfekte Medizinschrank ist fertig. Das Schluderkleid auch. Meine kluge Mutter hat mir sehr früh Anleitungen zur Kultivierung des Unperfekten gegeben, weil sie gemerkt hat, dass ich an bestimmten Punkten nicht weiterkomme Richtung Perfektionismus. Es geht so: Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch … Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten weiterlesen