Reiseeindrücke

Begegnungen, Bilder, Eindrücke – ich bringe viel mit im Gepäck. An der ersten Raststätte auf dem Weg ins Museum hängen lauter Küchensachen von der Decke, die Wände sind voller Wörter aus dem Nahrungsbereich und das Auto ist auch voll mit Küchengeräten. Es ist wie eine Verdopplung. Museum – Besprechungen, wie was hängen könnte, merken, dass es mir an Vorstellungsgabe fehlt, dass das Kuratieren von Ausstellungen ein eigener Beruf ist und etwas erfordert, was ich nicht so richtig kann. Nicht alles können müssen, das ist erleichternd und macht den Weg frei für das Ehren von Befähigungen anderer. Impressionen von Wiesbaden und … Reiseeindrücke weiterlesen

Frühlingsaufbruch

Ein Topf voller Frühlingsblumen, ein milder Abend, Vogellieder, die anfangen, anders zu klingen. Letzte Schneehaufen, die mich daran erinnern, dass bei uns im Süden der Winter bis in den frühen Mai reichen kann. Und prompt schneit es schon. Mein Aussenjahr hat begonnen mit einem wunderbaren Wochenende, mit Council und Seminar in der Schweiz. Fast nahtlos fahre ich weiter nach Wiesbaden, ins frauen museum und bringe all die Löffel, Besen, Medizinen, Schürzen für die Ausstellung hin, während noch die Geschichten, Bilder und Tänze der Frauen tiefer einsickern. Ich habe sehr genau gepackt, denn es ist für mich immer eine große Reise, … Frühlingsaufbruch weiterlesen

Über die Grenze gehen

Über die Grenze, Schweiz, mit den Büchern und vielen Zollpapieren. Da kann ich Grenzen gut erkunden, denn es ist kein schnelles Durchfahren, sondern ich muss hin und herlaufen, in die verschiedenen Häuschen und mit den Grenzhütern sprechen. Da sind alle Sinne wach und ich mache mich in der Situation gerne unsichtbar. Manchmal, indem ich rede, frage, ganz leutselig scheine und manchmal, indem ich versuche, mich wirklich nicht wahrnehmen zu lassen. Ich glaube, ich steuere das hauptsächlich über die Augen und den Atem. An der Grenze konzentriere ich mich stark auf das, was in der Luft liegt. Ausweichen, durch Schleusen gehen, … Über die Grenze gehen weiterlesen

Haare

Das Thema Haare ist brisant, weil ich zur Friseurin gehe. Weil ich praktische Haare habe, reicht es, sie zweimal im Jahr schneiden zu lassen. Früher war das anders, da hatte ich gefärbte Haare, Hennahaare, grüne Streifen, Dauerwelle sogar mal, Zöpfe, toupierte und kurz geschnittene Haare. Vor vielen Jahren hat jemand zu mir gesagt:“Your hair turns to silver.“ Seitdem lasse ich sie, wie sie sind. Es war dieser Satz, ich wollte gerne silbern sein. Ich wollte mal Friseurin werden. Dummerweise habe ich damals nicht verstanden, dass die Haare von Puppen keine nachwachsende Ressource sind. Um in Übung zu kommen, habe ich … Haare weiterlesen

Die Bücher sind da

Dreitausend kleine Alltags-Logbücher sind gekommen, aus Jelgava, über Berlin-Schönefeld bis vor die Garage. Das war sehr aufregend, es rundet sich der Blog von eineinhalb Jahren. Die intensive Buchmachzeit des Herbstes und Winters ist jetzt materialisiert. Katalina war dabei, sie mag LKWs und Kistenstapel und ausserdem ist es auch ihr Buch und sie ein kleiner Blogstar. Zwischen um- und abladen gibt es ein Dokumentationsfoto, das viel sagt. Ich habe nichts gemacht an diesem Bild. „Du brauchst keinen Pumuckl,“ hat Sabine gesagt,“du hast deine Katalina.“ Zuerst habe ich ein Buch im Haus herumgetragen, zu allen Spirits, zu den Altären, zu Dae Shin … Die Bücher sind da weiterlesen

Zeitenbeheimatung

Beim Filmschneiden und Seminarvorbereiten liegt das Thema Zeit auf dem Tisch. Wie ist meine Beziehung zur Zeit? Ich hangle mich an Zeitlinien entlang, wähle Zeitlupe, ordne Zeitabläufe neu zu, nutze den Zeitraffer und gehe in Joanna Macys Tiefenzeitbelehrungen. Da geht es darum, wieder heimisch zu werden in der Zeit. Ich erkunde unser kollektives, geschrumpftes Zeitempfinden, wie Tempo und Dichte alles eng werden lassen und meine Poren verstopfen. Wie schnell muss ich Entscheidungen treffen, viele, gewichtige, dauernd, ohne Zeit für eine Überprüfung zu haben. Bei den langen Filmspuren komme ich auf die großen Zeitbögen. Im Augenblick heimisch sein, das gelingt immer … Zeitenbeheimatung weiterlesen

Tänze und Lebensräume

Während ich meine Spuren im Neuschnee ziehe, lasse ich die Gedanken fliegen. Die Skier gleiten gut durch den Schnee, ich kann endlich von der Haustüre losfahren. Gedanken zu Lebensräumen. Wir werden in jedem unserer Lebensräume Filme machen, in Meas schöner Bauernhausküche, in meiner neuen Einbauküche, in Ingas kleinem Stadthaus. Unsere Lebensräume sind sehr verschieden und überall ist es möglich zu tanzen, den Alltag zu bezaubern, neugierig und schräg, sinnlich oder stürmisch die Lebendigkeit in allem zu erfahren, das Leben zu feiern. Es geht auf dem Land, in einer kleinen Stadtwohnung, auf Holz, Fliesen oder Linoleum. Ich tanze heute zwischen Geschirrspüler und … Tänze und Lebensräume weiterlesen

Viehräucherung und Küchenzauber

Mein Stall samt Vieh ist geräuchert. Es ist das Bilder- und Bücherlager samt Bewohnern. Jetzt ist alles bereitet für die neuen Bücher. Es ist ein großes Glück, dass meine uralten Freundinnen Mea und Inga Performancekünstlerinnen sind. Alle Performances machen wir zusammen, gestern in Meas Küche. Butoh, Suppenzauber,  Tiefe und Alltag getanzt. Es war ein Filmtag fürs Museum. Keine von uns kann filmen, schneiden auch nicht. Egal. Wir haben auch schon Tonaufnahmen mit einem alten Kasettenrecorder gemacht wie zu Fluxuszeiten. Da hole ich gerne einen geschenkten Satz hervor. Alle sagten, das geht nicht, eine wusste das nicht und hat es einfach … Viehräucherung und Küchenzauber weiterlesen

Innenreinigung

Die Jahresfeste, wie Brigid–Lichtmess sind für mich mittlerweile Zeiträume geworden. Die Brigidzeit ist eine wichtige Innenreinigungszeit. Zum Kühlschrank abtauen beispielsweise. Während innen alles leer wird, ausgewischt, beleuchtet, geräuchert, hütet die Kälte draussen das Essen. Die Filze und Wolldecken waren drei Tage und Nächte draussen, während ich innen die Stellen darunter gereinigt habe. Es ist eine gute Zeit, Gegenstände, die ich mir angeschafft habe, zu warten, zu reinigen. Es gibt Etliches, das gewartet werden will. Mir Zeit nehmen dafür, spüren wie wenig das Warten von Dingen üblich ist in unserer Austauschkonsumierbeliebigkeitsgesellschaft. Es ist aufwändig. Es zollt den Dingen, den Ressourcen, den … Innenreinigung weiterlesen

Winterbilder

Dem eisigen Winter zollen die Leute hier großen Respekt. Die Alten vom Dorf sind froh, „gut so,“ sagen sie,“es braucht die Kälte.“ Man weiß damit umzugehen. Die Wildtiere werden unterstützt, Vögel, Scheunenkatzen, Greifvögel. Die Filze auf der Bank vor dem Haus werden von den wilden Katzen aufgesucht, die anderen machen keinen Schritt vor die Haustüre. Buntspecht, Gimpel und die Meisen sind zum ersten Mal in diesem milden Winter Gäste. Ich rücke näher an den Ofen und suche in den unbewohnten Häusern Eisblumen. Innenreinigungszeit, Vorbereitung für den Frühlingsaufbruch. Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen Dorfweiher. Erinnerungen an Julika, die mich immer gelockt hat, … Winterbilder weiterlesen