Zwischenbericht

Ich bin´s, Katalina. Ich habe sie gesehen, die Schattenmaske. Mein lieber Schieber. Am Schluss hängt sie irgendwo im Haus rum. Alles wollen wir ja nicht kultivieren, ich stopfe sie dann in den Ofen – falls sie sich nicht trennen will von ihr. Ein Zeug machen die immer. Hast du schon mal eine Katze gesehen, die sich Masken macht zur Selbsterkenntnis? Auch so macht sie das nicht. Ich geniesse den Nebel und das Feuer, die frische Leber und mein Kuschelfell. Einen vergnüglichen Tag wünsche ich dir. Zwischenbericht weiterlesen

Es ist wieder Maskenzeit

Jedes Jahr komme ich mit den Maskenfrauen zusammen, um mehr von mir kennenzulernen und zu verstehen. Heute werden wir Schattenmasken machen. Ich ahne schon, wer da kommen will, im Vorfeld hat es sich bereits aufgebaut. Und ich finde es anstrengend, frage mich zwischendurch, warum ich mir am grünen Tisch so gerne und schnell alle möglichen Herausforderungen einlade. Die Frage ist jetzt natürlich müßig, jetzt geht´s los. Schattenmasken – an die Stellen gehen, wo eine Kraft bricht, wo die Königin, die Liebende oder die Lehrende umkippt. Ein bisschen gruselt es mich schon. Dann sag ich mir, dass ich das nächste Mal … Es ist wieder Maskenzeit weiterlesen

Mutig Bilder verändern

Das zweite Klassentreffen in diesem Jahr, diesmal vom ganzen Abiturjahrgang. Ich könnte Ähnliches schreiben wie zum Grundschulklassentreffen. Weil es nicht ganz so lange her ist, gibt es mehr Schnittmengen. Ich merke, dass mich die Veränderungen am Meisten interessieren, die Brüche. Wer hat sich wo wirklich verändert, ist mutig in neue Länder gegangen und in etwas hineingewachsen, das mich staunen lässt. Wo sind all diejenigen, die auf dem Weg zum Abitur durchgefallen, weggegangen sind? Und die „Gestrandeten“? Ich merke, wie stark ich einfordere, dass andere bereit sind, Bilder, die sie von mir haben, zu verändern, wenn sie nicht mehr passen. Und … Mutig Bilder verändern weiterlesen

Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten

Der unperfekte Medizinschrank ist fertig. Das Schluderkleid auch. Meine kluge Mutter hat mir sehr früh Anleitungen zur Kultivierung des Unperfekten gegeben, weil sie gemerkt hat, dass ich an bestimmten Punkten nicht weiterkomme Richtung Perfektionismus. Es geht so: Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch … Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten weiterlesen

Die Nähzeit ist eingeläutet

Die Nähzeit braucht, genau wie Buch- oder Medizinschrankmachen freies Feld, keine Termine, kein Telefon, viele Tage ohne irgendwas. In diesen Freiraum hinein entfaltet es sich. Nähzeit ist für mich eine sehr besondere, rituelle Zeit. Flicken gehört dazu, häkeln, sticken, knüpfen, spinnen, weben und nähen. Ich flicke die ganzen Teile, die sich seit dem Frühling im Korb sammeln. Etwas wieder zusammenfügen, erneuern, wieder brauchbar machen. Wilde Gewandexperimente gibt es auch. Heute verwerte ich alte, zu klein gewordene Teile, die ich besonders mochte und mache aus mehreren ein neues Kleid. Flickenhaft und asymmetrisch wird es, weil ich von keinem Stoff genug habe. … Die Nähzeit ist eingeläutet weiterlesen

Medizinschrank

Werkprozess Medizinschrank. Er steht seit Jahren im Speicher, ein hübsches Schränkchen von einer alten Tänzerin, das auf Umwegen zu mir gekommen ist. Es hat Blessuren, ist lackiert und deshalb nicht leicht zu überarbeiten. Ich liebe gutes Handwerk und bin selber eine richtige Pfuscherin. Der einzig gangbare Weg war der in die Kunst. Es wird jetzt ein Kunstobjekt – Medizinschrank. Er wird die kostbaren Medizinen in sich aufnehmen und hüten. Die Dose mit den Sommergeschichten, die Flasche mit dem Nordwestwind und das Nordmeerwasser. Den Liter Glückseligkeitsprosecco, eine Spezialmarmelade, Kräuterkugeln, Hüftgold und Danziger Goldwasser von meiner Großmutter. Wurzelsalz ist auch dabei und … Medizinschrank weiterlesen

Ahnenfest und ein Tanz mit der Schamanenahnin

Zeit, um den Ahnenaltar zu bestücken, um Staub zu wischen, oder umzugruppieren. Die Motten sagen es ja auch. Meine Ahnendecke hervorholen und mit ihnen feiern. Mit den Ahnen, nicht den Motten. Es gibt die Speisen, die sie besonders mochten, den Hollersaft und Bier für die bayrische Linie. Ahne ist ein weibliches Wort, ich spare mir also das „innen“. Kunterbunt liegen ihre Bilder auf dem Kästchen, manche bemalt, andere einfach so. Es liegen all diejenigen da, die mich stärken. Meine Ahnenboote putze ich auch und gebe Blüten, Gebäck und Beeren dazu. Das andere Boot belade ich mit Düften und Singsang. Beide … Ahnenfest und ein Tanz mit der Schamanenahnin weiterlesen

Kochlöffel und Kräuterkugeln

Es klingelt und ich bekomme Post. Eine große Schachtel mit Schokikugeln, Bitterkräuter, und einem Kochlöffel im warmen Reisemantel. Zwei befreundete Künstlerinnen, Andrea Michel und Brigitte Schwarz haben mir die Zauberporst aus dem Norden geschickt. Sowas macht mir Freude. Das neue Ritualwerkzeug ist wunderschön und gesellt sich zu meinen anderen. Ein Glöckchen ist dran und Hirschfelle, eine Feder von meiner Sommerliebe, dem Bipperl und seiner Freundin. Kiefernnadeln aus den Höhlen der Ile-de-France und Johanniskraut im Futteral. Ein Stein dazu aus Lesbos. So viel Frühling, so viel Sommer, Reisegeschichten, gemeinsame Feuererinnerung, Kraft aus altem Land. Ich koste die Kräuterkugeln, Katalina beschnuppert den … Kochlöffel und Kräuterkugeln weiterlesen

Reinigungsrituale

Regentropfen draussen und das Wasser aus der Wasserleitung. Auf einmal höre ich wie die Wasserklänge zusammengehen und ein ganz neues Lied anstimmen. Bilder von Wasserfällen und den wilden Flüssen in Spanien sind da. Regen-Fluss-Baden-Duschen-Abwasch-Reinigung. Die großen Reinigungszeremonien fallen mir ein, Korea, Sibirien, unsere Rituale hier. Wie Maria uns im Altai gerüffelt hat, wenn wir unsere Teetasse den Tag über stehen lassen wollten. Wir mussten benutztes Geschirr sofort reinigen, damit sich keine schwierigen Geister angezogen fühlen. Das gemeinsame Abspülen bei den Maori, wenn alle zusammen – Alte, Junge, Männer, Frauen, Gäste – hunderte von Tellern gespült haben und dabei gelacht wurde, … Reinigungsrituale weiterlesen

Alltägliche und nichtalltägliche Treffunkte

Treffpunkte, Wegkreuzungen, Begegnungen, Feuer. Wo trifft sich wer, was wird dort gemacht, wann ist der richtige Zeitpunkt, wo der passende Ort? Ich klopfe meine Tage auf Treffpunkte ab. Heute und am Wochenende zum Beispiel in der Schweiz, in Wil, beim Council im Tipi und zur Mythenschöpferin. Die Begegnungen in der alltäglichen Wirklichkeit finden an scheinbar banalen Orten wie Café, Dorfwirtschaft, Einkaufsladen statt. Heiliger Morgentreffpunkt mit dem alltäglichen Leben. Freundschaftsweben an den Feuern. Zu diesen Treffpunkten fahre ich sogar durch Schnee und Nacht, weil sie mir so kostbar sind. Für die Begegnungen mit den Spirits, den Ahnen, Ortsgeistern oder anderen brauche … Alltägliche und nichtalltägliche Treffunkte weiterlesen