Werkprozess Kücheninstallation

Zum Glück schneit es und ich lasse mich hineingleiten in die Innenfeuerarbeit. Weil die Museumsfrauen die verrückte Idee hatten, zur Ausstellung Installationen zum alltäglich Schamanischen oder andersrum zu machen, bin ich jetzt am Organisieren von doppeltem Haushaltszeug samt Bemalung, Beritzung, Ausschmückung. Und, wie immer bei Ausstellungen oder Buchprojekten – ich mache meine ganze Umgebung verrückt. Alle sammeln, suchen, durchstöbern Scheunen und Speicher nach alten Schöpfkellen, Sieben, Eimern. Ulla hat die Fährte nach einer Konsole aufgenommen, Sabine ist am Eimer dran, Anke leiht mir ein paar ihrer Topflappen, meine Mutter hat noch zwei ganz alte blau-weiß karierte Handtücher aus meiner Kindheit … Werkprozess Kücheninstallation weiterlesen

Weißtage

Dichter Nebel, endlich einmal wieder. Ich brauche Spätherbstzeit und Winter, Stürme und Kälte und Weiß. Die Arbeit unterbrechen und rausgehen. Ich sehe keine Begrenzung, keine Zäune, keinen Wald und der Feldweg verliert sich nach wenigen Metern im Weiß. Ich gehe und sehe ins Weiß, spüre die Nebelfeuchtigkeit im Gesicht. Wie in einen leeren Raum gehe ich oder einen Traum. Dorthin, wo sich alles auflöst. Langsamer werde ich, Zeitlupe. Die Augen können sich an nichts festhalten, sie entspannen und gehen in Räume zwischen den Dingen. Ich atme Nebel ein und werde unsichtbar. Das liebe ich, in der Dunkelheit des Waldes oder … Weißtage weiterlesen

Gut, weil erfolgreich?

Gedanken zu unserer Kunst, unseren Bildern, dem Geschriebenen, dem Tanz, unserem kreativen Ausdruck. In den letzten Tagen kommt das Thema „Buchveröffentlichung“, „Ausstellung machen“ und wie das ginge etc. gehäuft. Deshalb schreibe ich jetzt was dazu. Für mich stellt sich die Frage, warum etwas in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Sitze ich da in der Verbindungsfalle von gut = erfolgreich? Bin ich nur dann „gut“, wenn ich nach den Maßstäben des Kunst- oder Buchmarktes erfolgreich bin? Geht es vielleicht eher darum, gut = erfolgreich voneinander zu lösen? Es gibt viel schlechtes und dennoch sehr erfolgreiches Zeug und andersrum. Und manches ist … Gut, weil erfolgreich? weiterlesen

Wir feiern uns

Weil es mit Geburtstagsgeschenken manchmal recht kompliziert ist, feiern wir uns, Mea, Inga und ich, indem wir ein besonderes Ereignis miteinander teilen und so unsere Geburtstage damit gegenseitig beschenkt sind. Wir investieren gerne in gemeinsame Erlebnisse an Stelle von Gegenständen. Dieses Mal waren wir im blauen Haus, dem Casa Azul von Frida Kahlo. Ein Tanzstück der Donlon Dance Company vom Staatstheater Saarbrücken. Hinreißend. Drei Fridas haben getanzt, starke Bühnenbilder, eine witzige Choreographin aus Irland. „Frida hatte viele Liebhaber und Liebhaberinnen, so soll es sein“, meinte sie lachend. Aus dem Mißverständnis hat sie ein „Mischverständnis“ gemacht und mit den „gemalten Gemälden“ … Wir feiern uns weiterlesen

Die Schattenmaske

Es braucht viel Mut, einander die Schatten zu zeigen, in die Spiegel zu schauen und immer zu wissen, dass das, was sich zeigt einer der Schattenaspekte ist und jede viel mehr ist als dieser eine Aspekt. Und, dass jede noch etliche andere Schattenmasken machen könnte. Es braucht auch einen sehr gehüteten Raum, damit sich die im Dunkeln lebenden Teile zeigen, in ihren Extremen, ihrer Versehrtheit, ihrer Wut, den Exzessen, den Fragen und allem, was sie ausmacht. Hinter den Schatten ist ihr Potenzial, die verbündete Kraft. Wir wussten es alle und es ist eine große Herausforderung, die Schatten nicht gleich ins … Die Schattenmaske weiterlesen

Zwischenbericht

Ich bin´s, Katalina. Ich habe sie gesehen, die Schattenmaske. Mein lieber Schieber. Am Schluss hängt sie irgendwo im Haus rum. Alles wollen wir ja nicht kultivieren, ich stopfe sie dann in den Ofen – falls sie sich nicht trennen will von ihr. Ein Zeug machen die immer. Hast du schon mal eine Katze gesehen, die sich Masken macht zur Selbsterkenntnis? Auch so macht sie das nicht. Ich geniesse den Nebel und das Feuer, die frische Leber und mein Kuschelfell. Einen vergnüglichen Tag wünsche ich dir. Zwischenbericht weiterlesen

Es ist wieder Maskenzeit

Jedes Jahr komme ich mit den Maskenfrauen zusammen, um mehr von mir kennenzulernen und zu verstehen. Heute werden wir Schattenmasken machen. Ich ahne schon, wer da kommen will, im Vorfeld hat es sich bereits aufgebaut. Und ich finde es anstrengend, frage mich zwischendurch, warum ich mir am grünen Tisch so gerne und schnell alle möglichen Herausforderungen einlade. Die Frage ist jetzt natürlich müßig, jetzt geht´s los. Schattenmasken – an die Stellen gehen, wo eine Kraft bricht, wo die Königin, die Liebende oder die Lehrende umkippt. Ein bisschen gruselt es mich schon. Dann sag ich mir, dass ich das nächste Mal … Es ist wieder Maskenzeit weiterlesen

Mutig Bilder verändern

Das zweite Klassentreffen in diesem Jahr, diesmal vom ganzen Abiturjahrgang. Ich könnte Ähnliches schreiben wie zum Grundschulklassentreffen. Weil es nicht ganz so lange her ist, gibt es mehr Schnittmengen. Ich merke, dass mich die Veränderungen am Meisten interessieren, die Brüche. Wer hat sich wo wirklich verändert, ist mutig in neue Länder gegangen und in etwas hineingewachsen, das mich staunen lässt. Wo sind all diejenigen, die auf dem Weg zum Abitur durchgefallen, weggegangen sind? Und die „Gestrandeten“? Ich merke, wie stark ich einfordere, dass andere bereit sind, Bilder, die sie von mir haben, zu verändern, wenn sie nicht mehr passen. Und … Mutig Bilder verändern weiterlesen

Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten

Der unperfekte Medizinschrank ist fertig. Das Schluderkleid auch. Meine kluge Mutter hat mir sehr früh Anleitungen zur Kultivierung des Unperfekten gegeben, weil sie gemerkt hat, dass ich an bestimmten Punkten nicht weiterkomme Richtung Perfektionismus. Es geht so: Nicht versuchen zu kaschieren, sondern es betonen – die Fehler, das Schiefe, Schräge, Ausgerutschte, Danebengemalte, Holprige. Es zeigen, vielleicht sogar überzeichnen. „Du schneidest immer schief,“ hat meine Mutter gesagt, „und es sieht auch verschnitten aus. Lass uns versuchen, es gleich richtig schräg zu schneiden, dann sieht es gewollt aus.“ Das hat mir gefallen. Den Strich weiterziehen, wenn ich rausgemalt habe. Ein kleines Loch … Anleitung zur Kultivierung des Unperfekten weiterlesen

Die Nähzeit ist eingeläutet

Die Nähzeit braucht, genau wie Buch- oder Medizinschrankmachen freies Feld, keine Termine, kein Telefon, viele Tage ohne irgendwas. In diesen Freiraum hinein entfaltet es sich. Nähzeit ist für mich eine sehr besondere, rituelle Zeit. Flicken gehört dazu, häkeln, sticken, knüpfen, spinnen, weben und nähen. Ich flicke die ganzen Teile, die sich seit dem Frühling im Korb sammeln. Etwas wieder zusammenfügen, erneuern, wieder brauchbar machen. Wilde Gewandexperimente gibt es auch. Heute verwerte ich alte, zu klein gewordene Teile, die ich besonders mochte und mache aus mehreren ein neues Kleid. Flickenhaft und asymmetrisch wird es, weil ich von keinem Stoff genug habe. … Die Nähzeit ist eingeläutet weiterlesen