Rauhnachtsvorbereitung

Die Woche vor Rauhnachtsbeginn. Das Ende der Spinnstubenzeit naht, traditionell muss der Rocken vorher abgesponnen sein. Mein Rocken samt Flachs ist gerade ein Flyer für´s Museum, Steuerteile, Kunst – mein Alltägliches, mein Tagwerk. Ich lande in Spanien bei Doña Catalina. Sie hat mir das Spinnen beigebracht. Im Sommer Spinnen lernen wollen, das fand sie komplett bescheuert. Dementsprechend schaut sie auch drein. „Du weißt ja gar nichts,“ hat sie gegrummelt,“nicht wann man was lernt, nicht wann man was tut oder lässt und dann wunderst du dich.“ Der Text hätte auch von meiner Katzen-Katalina sein können. Jetzt werde ich mein Nähkästchen ordnen … Rauhnachtsvorbereitung weiterlesen

Jahresnachlese

Die Jahresnachlese beginnt. Meistens lasse ich mir Zeit zwischen Lucia und Neujahr, um das Jahr noch einmal anzuschauen, zu würdigen, abzurunden. Ich lese meine Morgenseiten, gehe den Kalender durch, schaue auf die in diesem Jahr verzeichneten Landkarten. Was war vertraut, was ganz neu? Was habe ich verabschiedet und was eingeladen? Am liebsten mache ich die Nachlese im Zwielicht, gegen Abend, in der blauen Stunde, am Feuer, mit bekömmlichen Speisen und Winterdüften. Alle meine Tage ziehen vorbei, mit ihrem Witz, den Seltsamkeiten, der Tiefe und Weite und der Einfachheit. Ein gelebtes Jahr mit dem, was ich gekocht habe, verrührt, zusammengemischt, eingemacht, … Jahresnachlese weiterlesen

Wildwüchsiges Häkeln

Topflappen sind vor nicht allzu langer Zeit alle selbst gehäkelt worden. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Alltagsmagie habe ich meinen ersten Topflappen gehäkelt. Mir Zeit nehmen und etwas einweben in mein Leben, häkelnderweise. So ein Topflappen dauert. Ein guter Zeitraum, um nährende Gedanken ins Garn, die Schlaufen, die Knoten fliessen zu lassen. Häkeln mag ich am liebsten, es erlaubt die wildeste Herangehensweise, viel mehr als Stricken. Ich sitze am Feuer und häkle. Knüpfen finde ich hat auch was, Fleckerlteppich beispielsweise. Meist singt sich ein Lied her zum Knistern. Dann nehmen die Gedanken Farben an und Geschmäcker. Wildwüchsiges Häkeln weiterlesen

Geldbeutelzauber

Wie sieht mein Medizinbeutel aus und wie der Beutel, in dem ich den alltäglichen Energieausgleich für den Aussenbereich aufbewahre? Der eine schön verziert, bestückt – ein Prachtstück. Der andere praktisch, schwarz, Leder, ein Gastronomiegeldbeutel. Wenigstens ein Fach ist für die Spirits reserviert. Ansonsten habe ich noch nicht viel Einfallsreichtum reingesteckt. Wenn ich aber doch möchte, dass mich meine Einfälle reich machen, könnte ich mich mal geldbeutelmäßig ins Zeug legen. Meiner ist schwer, groß und es ist viel drin. Ich wechsle, nehme einen ganz kleinen, leichten. Aussenbemalung, polka dotted – gepunktet, weil es so ein Lieblingswort ist. Gepunktet gefällt mir auch … Geldbeutelzauber weiterlesen

Weißtage

Dichter Nebel, endlich einmal wieder. Ich brauche Spätherbstzeit und Winter, Stürme und Kälte und Weiß. Die Arbeit unterbrechen und rausgehen. Ich sehe keine Begrenzung, keine Zäune, keinen Wald und der Feldweg verliert sich nach wenigen Metern im Weiß. Ich gehe und sehe ins Weiß, spüre die Nebelfeuchtigkeit im Gesicht. Wie in einen leeren Raum gehe ich oder einen Traum. Dorthin, wo sich alles auflöst. Langsamer werde ich, Zeitlupe. Die Augen können sich an nichts festhalten, sie entspannen und gehen in Räume zwischen den Dingen. Ich atme Nebel ein und werde unsichtbar. Das liebe ich, in der Dunkelheit des Waldes oder … Weißtage weiterlesen

Die Schattenmaske

Es braucht viel Mut, einander die Schatten zu zeigen, in die Spiegel zu schauen und immer zu wissen, dass das, was sich zeigt einer der Schattenaspekte ist und jede viel mehr ist als dieser eine Aspekt. Und, dass jede noch etliche andere Schattenmasken machen könnte. Es braucht auch einen sehr gehüteten Raum, damit sich die im Dunkeln lebenden Teile zeigen, in ihren Extremen, ihrer Versehrtheit, ihrer Wut, den Exzessen, den Fragen und allem, was sie ausmacht. Hinter den Schatten ist ihr Potenzial, die verbündete Kraft. Wir wussten es alle und es ist eine große Herausforderung, die Schatten nicht gleich ins … Die Schattenmaske weiterlesen

Es ist wieder Maskenzeit

Jedes Jahr komme ich mit den Maskenfrauen zusammen, um mehr von mir kennenzulernen und zu verstehen. Heute werden wir Schattenmasken machen. Ich ahne schon, wer da kommen will, im Vorfeld hat es sich bereits aufgebaut. Und ich finde es anstrengend, frage mich zwischendurch, warum ich mir am grünen Tisch so gerne und schnell alle möglichen Herausforderungen einlade. Die Frage ist jetzt natürlich müßig, jetzt geht´s los. Schattenmasken – an die Stellen gehen, wo eine Kraft bricht, wo die Königin, die Liebende oder die Lehrende umkippt. Ein bisschen gruselt es mich schon. Dann sag ich mir, dass ich das nächste Mal … Es ist wieder Maskenzeit weiterlesen

Küche und Heilsitzung

Eine überraschende Heilwoche. Bei Lilia, die siebzig Jahre Erfahrung mitbringt und Tungaa aus der Mongolei. Beide Male erlebe ich wieder das selbstverständliche Eingebettetsein des Rituals, der Heilsitzungen, des Spirituellen in ganz Alltägliches. Bei Lilia höre ich unten Gespräche, das Klingeln des Telefons, Kochgeräusche – alles bei offenen Türen. Persönliches wird geredet und Einkaufslisten durchgegangen, während ich, eingewickelt, daliege und den Auftrag habe, ganz zu entspannen. Tungaa, Nara und ihr Begleiter bereiten nachmittags das Essen vor. Dann die Einzelsitzungen. Die Küche hat keine Türe, die Alltagsgeräusche begleiten die Sitzungen, alles gehört zusammen. Wir machen die Zeremonie abends im Essraum, der schöne, … Küche und Heilsitzung weiterlesen

Unruhe glattbügeln

Bügeln, glätten, glattstreichen – Handtücher, Geschichten, Kleider, Gedanken. Zusammenlegen, falten, in den Schrank sortieren, stapeln. Da sind die Gedankengebäude, dort verschiedene Projekte, dann die T-Shirts und die Winterteile. Ich bügle gerne, eigentlich. Praktisch bügle ich selten, weil ich warte, bis der Stapel groß genug ist. Dann allerdings zelebriere ich das Bügeln. Weil ich in der Anfangsphase vom Buchmachen bin und ganz unruhig werde, wenn es nicht gleich die ultimative Layoutlösung gibt, brauche ich einen Beschäftigungswechsel. Ich finde nicht die passende Schrift, bin deshalb nicht beflügelt, will nicht stundenlang weitersuchen, werde knatschig und entscheide mich, mal wieder zu bügeln. Zum Fenster … Unruhe glattbügeln weiterlesen

Die Nähzeit ist eingeläutet

Die Nähzeit braucht, genau wie Buch- oder Medizinschrankmachen freies Feld, keine Termine, kein Telefon, viele Tage ohne irgendwas. In diesen Freiraum hinein entfaltet es sich. Nähzeit ist für mich eine sehr besondere, rituelle Zeit. Flicken gehört dazu, häkeln, sticken, knüpfen, spinnen, weben und nähen. Ich flicke die ganzen Teile, die sich seit dem Frühling im Korb sammeln. Etwas wieder zusammenfügen, erneuern, wieder brauchbar machen. Wilde Gewandexperimente gibt es auch. Heute verwerte ich alte, zu klein gewordene Teile, die ich besonders mochte und mache aus mehreren ein neues Kleid. Flickenhaft und asymmetrisch wird es, weil ich von keinem Stoff genug habe. … Die Nähzeit ist eingeläutet weiterlesen