Wintersonnwende bei Schnee

Es schneit und ich hoffe auf Langlaufzeiten. Gestern Nacht bin ich zum ersten Mal über verschneite Strassen heimgefahren vom Forscherinnenfeuer. Heute habe ich zum ersten Mal Schnee geräumt. Die Tiere waren dabei, sie freuen sich genauso über den Schnee wie ich, tollen rum, graben sich ein oder fangen Schneeflocken. Katalina und ich lassen uns einschneien und dann jagen wir uns jauchzend durch den Schnee. Winter zieht ein in meine Zellen, endlich. Die Altäre herrichten vor den Rauhnächten, danach ist mir. Abstauben, neu bestücken, die Decken ausschütteln wie die Holle. Frische Kerzen, Befragungen, ob jemand den Platz wechseln will und welche … Wintersonnwende bei Schnee weiterlesen

Rauhnachtsvorbereitung

Die Woche vor Rauhnachtsbeginn. Das Ende der Spinnstubenzeit naht, traditionell muss der Rocken vorher abgesponnen sein. Mein Rocken samt Flachs ist gerade ein Flyer für´s Museum, Steuerteile, Kunst – mein Alltägliches, mein Tagwerk. Ich lande in Spanien bei Doña Catalina. Sie hat mir das Spinnen beigebracht. Im Sommer Spinnen lernen wollen, das fand sie komplett bescheuert. Dementsprechend schaut sie auch drein. „Du weißt ja gar nichts,“ hat sie gegrummelt,“nicht wann man was lernt, nicht wann man was tut oder lässt und dann wunderst du dich.“ Der Text hätte auch von meiner Katzen-Katalina sein können. Jetzt werde ich mein Nähkästchen ordnen … Rauhnachtsvorbereitung weiterlesen

Multitasking kritisch hinterfragt

Beim Kochen gemerkt, dass ich was vergessen habe, also schnell losgefahren zum nächsten Supermarkt. Und weil alles ja schnell gehen soll, mache ich alles gleichzeitig – Auto aus, abschnallen, Tasche holen, Tür auf. Ich werde nervös, hudle rum, der Geldbeutel fällt runter und ich stoppe. Tempo rausnehmen, eins nach dem anderen. Die Gleichzeitigkeiten bringen mich völlig durcheinander. Mag ja sein, dass Multitasking möglich ist und punktuell sinnvoll, als Dauerzustand oder Daueranspruch ist es höchster Streßfaktor. Ich werde das „schnell mal, noch kurz, nur noch …“ nicht ins neue Jahr mitnehmen. Ich will es auch aus meiner Sprache entlassen. Mit den … Multitasking kritisch hinterfragt weiterlesen

Jahresnachlese

Die Jahresnachlese beginnt. Meistens lasse ich mir Zeit zwischen Lucia und Neujahr, um das Jahr noch einmal anzuschauen, zu würdigen, abzurunden. Ich lese meine Morgenseiten, gehe den Kalender durch, schaue auf die in diesem Jahr verzeichneten Landkarten. Was war vertraut, was ganz neu? Was habe ich verabschiedet und was eingeladen? Am liebsten mache ich die Nachlese im Zwielicht, gegen Abend, in der blauen Stunde, am Feuer, mit bekömmlichen Speisen und Winterdüften. Alle meine Tage ziehen vorbei, mit ihrem Witz, den Seltsamkeiten, der Tiefe und Weite und der Einfachheit. Ein gelebtes Jahr mit dem, was ich gekocht habe, verrührt, zusammengemischt, eingemacht, … Jahresnachlese weiterlesen

Luxus-Spezie

Katalina hat neue schwarze Mäuse bekommen. Wegen der Tierarztbesuche, der Spritzen und überhaupt. Sie kann Fett schlecht verstoffwechseln, ich muss sie spritzen und das Essen ist umgestellt. Das Essen ist das Dramatischste für sie. Ich frage mich, wie sich eine Spezies eigentlich den Luxus erlauben kann, so stur zu sein beim Essen. Wenn jemand vor vollen Kühlschränken verhungert, dann Katzen. Die Diät bringt neue Lebensgeister, wir werden den ganzen Tag animiert, bespielt und dennoch will der Zusammenhang zwischen neuen Essgewohnheiten und Wohlbefinden nicht hergestellt werden. Ich weiß, dass es keine Frage der Intelligenz, sondern der Sturheit ist. Jetzt haben beide … Luxus-Spezie weiterlesen

Wildwüchsiges Häkeln

Topflappen sind vor nicht allzu langer Zeit alle selbst gehäkelt worden. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Alltagsmagie habe ich meinen ersten Topflappen gehäkelt. Mir Zeit nehmen und etwas einweben in mein Leben, häkelnderweise. So ein Topflappen dauert. Ein guter Zeitraum, um nährende Gedanken ins Garn, die Schlaufen, die Knoten fliessen zu lassen. Häkeln mag ich am liebsten, es erlaubt die wildeste Herangehensweise, viel mehr als Stricken. Ich sitze am Feuer und häkle. Knüpfen finde ich hat auch was, Fleckerlteppich beispielsweise. Meist singt sich ein Lied her zum Knistern. Dann nehmen die Gedanken Farben an und Geschmäcker. Wildwüchsiges Häkeln weiterlesen

Geldbeutelzauber

Wie sieht mein Medizinbeutel aus und wie der Beutel, in dem ich den alltäglichen Energieausgleich für den Aussenbereich aufbewahre? Der eine schön verziert, bestückt – ein Prachtstück. Der andere praktisch, schwarz, Leder, ein Gastronomiegeldbeutel. Wenigstens ein Fach ist für die Spirits reserviert. Ansonsten habe ich noch nicht viel Einfallsreichtum reingesteckt. Wenn ich aber doch möchte, dass mich meine Einfälle reich machen, könnte ich mich mal geldbeutelmäßig ins Zeug legen. Meiner ist schwer, groß und es ist viel drin. Ich wechsle, nehme einen ganz kleinen, leichten. Aussenbemalung, polka dotted – gepunktet, weil es so ein Lieblingswort ist. Gepunktet gefällt mir auch … Geldbeutelzauber weiterlesen

Werkprozess Kücheninstallation

Zum Glück schneit es und ich lasse mich hineingleiten in die Innenfeuerarbeit. Weil die Museumsfrauen die verrückte Idee hatten, zur Ausstellung Installationen zum alltäglich Schamanischen oder andersrum zu machen, bin ich jetzt am Organisieren von doppeltem Haushaltszeug samt Bemalung, Beritzung, Ausschmückung. Und, wie immer bei Ausstellungen oder Buchprojekten – ich mache meine ganze Umgebung verrückt. Alle sammeln, suchen, durchstöbern Scheunen und Speicher nach alten Schöpfkellen, Sieben, Eimern. Ulla hat die Fährte nach einer Konsole aufgenommen, Sabine ist am Eimer dran, Anke leiht mir ein paar ihrer Topflappen, meine Mutter hat noch zwei ganz alte blau-weiß karierte Handtücher aus meiner Kindheit … Werkprozess Kücheninstallation weiterlesen

Weißtage

Dichter Nebel, endlich einmal wieder. Ich brauche Spätherbstzeit und Winter, Stürme und Kälte und Weiß. Die Arbeit unterbrechen und rausgehen. Ich sehe keine Begrenzung, keine Zäune, keinen Wald und der Feldweg verliert sich nach wenigen Metern im Weiß. Ich gehe und sehe ins Weiß, spüre die Nebelfeuchtigkeit im Gesicht. Wie in einen leeren Raum gehe ich oder einen Traum. Dorthin, wo sich alles auflöst. Langsamer werde ich, Zeitlupe. Die Augen können sich an nichts festhalten, sie entspannen und gehen in Räume zwischen den Dingen. Ich atme Nebel ein und werde unsichtbar. Das liebe ich, in der Dunkelheit des Waldes oder … Weißtage weiterlesen

Gut, weil erfolgreich?

Gedanken zu unserer Kunst, unseren Bildern, dem Geschriebenen, dem Tanz, unserem kreativen Ausdruck. In den letzten Tagen kommt das Thema „Buchveröffentlichung“, „Ausstellung machen“ und wie das ginge etc. gehäuft. Deshalb schreibe ich jetzt was dazu. Für mich stellt sich die Frage, warum etwas in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Sitze ich da in der Verbindungsfalle von gut = erfolgreich? Bin ich nur dann „gut“, wenn ich nach den Maßstäben des Kunst- oder Buchmarktes erfolgreich bin? Geht es vielleicht eher darum, gut = erfolgreich voneinander zu lösen? Es gibt viel schlechtes und dennoch sehr erfolgreiches Zeug und andersrum. Und manches ist … Gut, weil erfolgreich? weiterlesen